05.04.2020 / Palmsonntag - Ein Gottesdienst für Zuhause

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Ein Gottesdienst für Zuhause am Palmsonntag, 05.04.2020
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Musik zum Eingang

Sich einfinden und Gott zuwenden

 

Auch in Corona-Zeiten feiern wir Gottesdienst, nicht miteinander in der Kirche, aber im Glauben verbunden zu Hause.

Wir feiern ihn im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

 

„Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Joh 3, 14b-15)

Unter diesem Schriftwort steht der heutige Sonntag:

der Sonntag Palmarum oder auch Palmsonntag. Jesus, vergegenwärtigen wir uns, macht sich auf nach Jerusalem und wird als König ganz eigener Art empfangen. Christus beginnt seinen letzten Weg als Mensch auf Erden: hinauf zum Kreuz; hin zur geheimen Mitte des Alls; dorthin, wo er ganz eins ist mit sich und seiner Sendung; – ja, dorthin, wo Tod und Leben, Zeit und Ewigkeit, menschliches Elend und Herrlichkeit Gottes auf einmalige Weise in eins fallen und Versöhnung geschieht.

 

Lied: „Jesu, geh voran“ (EG 391, 1-4)

 

Wir beten mit Worten des Philipper-Hymnus.

 

 

Christus Jesus, der in göttlicher Gestalt war,

hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

 

sondern entäußerte sich selbst

und nahm Knechtsgestalt an,

ward den Menschen gleich

und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Er erniedrigte sich selbst

und ward gehorsam bis zum Tode,

ja zum Tode am Kreuz.

Darum hat ihn auch Gott erhöht

Und hat ihm den Namen gegeben,

der über alle Namen ist,

dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie,

die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

und alle Zungen bekennen sollen,

dass Jesus Christus der Herr ist,

zur Ehre Gottes des Vaters.

 

Wir beten weiter.

 

Ewiger und allmächtiger Gott,

Du kommst zu uns als Herr und Richter,

als König und Erbarmer.

In unserer Mitte willst Du Dein ewiges Reich bauen.

Wir bitten Dich:

Mach uns und Deine ganze Kirche bereit,

Dir entgegenzugehen in dieser Zeit

der Buße und der Umkehr.

Gib, dass wir Dir recht den Weg bereiten

und Dich tatsächlich in unser Leben einlassen.

Öffne Du selbst uns Herz und Sinn,

Wollen und Verstand,

dass wir Dich wirklich herrschen lassen in allem,

was wir sind und haben,

was wir tun und was uns widerfährt.

Sende Deinen Heiligen Geist.

Segne uns und diesen Gottesdienst.

In der Stille bringen wir vor Dich,

was wir heute bei uns tragen

an Gutem und Bösem, Leichtem und Schwerem,

an Klage, Bitte, Dank und Lob.

 

Stille

 

Sieh an, o Herr, was uns bewegt,

verkläre es und vollende Dein Werk

an uns in Ewigkeit.

Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Sich von Gott ansprechen lassen

 

Die Schriftlesung heute ist zugleich der Predigttext. Sie steht bei Evangelisten Markus im 14. Kapitel:

 

Und als [Jesus] in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit

unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.

Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander:

„Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben.“

Und sie fuhren sie an.

Jesus aber sprach: „Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.“

 

Herr, segne an uns Dein heiliges Evangelium.

 

Lasst uns auf das Evangelium antworten und beten mit den Worten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. (EG 686).

Lied „Wunderbarer König“ (EG 327, 1-4)

 

Predigt „Be love now“ (Mk 14, 3-9)

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die

Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen.

 

Verehrte Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

 

Gott kommt. Jesus Christus ist schon unterwegs. Und auch, wenn wir es vielleicht nicht immer wahrnehmen oder es gar den Anschein hat, als würde Er sich sogar entfernen oder wäre gar nie dagewesen, so ist Er doch jeden Augenblick näher als im eben noch vorangegangenen (vgl. Röm 13, 11).

 

Das All, es ist womöglich physikalisch unendlich, aber es ist keineswegs ewig, sondern es hat ein Ziel. Und dieses Ziel, so bekennen wir Christen seit jeher, ist Seine Herrschaft und Sein Reich – die Herrschaft dessen, „der da kommt im Namen des Herrn“ (Mk 11, 9 u. a.) eben.

 

Besonders heute, am Palmsonntag, vergegenwärtigt die Kirche sich das. Indem sie Christus als den feiert, der nach Jerusalem einzieht, um den Tod zu finden, feiert sie ihn zugleich als den, der ausgreift, sich alles – und selbst die letzten Grenzen – untertan zu machen. Den Gottessohn als den großen Verwandler und Erlöser, König und Vollender; – als den, durch den dereinst „Gott sei alles in allem“ (1. Kor 15, 28).

 

„Siehe, ich komme bald“, spricht er im Hinblick auf die so genannten letzten Tage, „und mein Lohn mit mir […]. Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ (Offb 22, 13)

 

Und ja, er kommt, wie gesagt, kommt in „sein Eigentum“ (Joh 1, 11): kommt in das Ganze der Schöpfung, immerfort; kommt in die Kirche vor allem; – kommt ganz besonders auch mit und durch ihre Sakramente und Segnungen.

 

„Mit jeder Taufe“, las ich es in diesem Sinne kürzlich sehr schön auf den Punkt gebracht, „wird die Hoffnung der Erde […] neu begründet.“ [Schrieder (Hg.), Konrad, Chorgebet. Ein hochkirchliches Brevier für das Gebet des Einzelnen und in Gemeinschaft, Mittweida 2009, 197.]

 

und

 

„An den Altären ist Friede.“ 

[Echternach(Hg.), Horst / Reese (Hg.), Hans Jörg / Echternach, Helmut, Unter der Himmelsleiter. Predigten, Erlangen 1996, 46.]

 

Auch zu jedem von uns, liebe Schwestern und Brüder, will Jesus Christus mit dem Vater im Heiligen Geist kommen. Im Leben von jeder und jedem einzelnen möchte er sich – ganz persönlich – verwirklichen und darin etwas vom Reich Gottes anbrechen lassen, ihm Ewigkeitswert, Glanz und Ausstrahlung verleihen.

  

Dazu aber müssen wir ihm, dem Kommenden, immer wieder und stets aufs Neue den Weg bereiten: indem wir uns mit seiner Hilfe frei machen von unseren schlechten Angewohnheiten, Bindungen und Sünden; indem wir beten, ja Gebet werden und als seine Nachfolger mit ihm an einem Strang ziehen; indem wir – Stichwort „What would Jesus do?“ – nicht den Anschluss verlieren, sondern versuchen, ihm immer ähnlicher zu werden in möglichst allen Bezügen; – indem wir schließlich, zugleich und zuallererst uns bereiten, der übergroßen Liebe, die Gott ist (vgl. 1.Joh 4,16b), Raum zu geben und sie mehr und mehr bei uns in Fluss geraten zu lassen.

 

Das aber erfordert Hingabe, Wagemut und eine gewisse geistliche Offenheit. – Es erfordert unter Umständen auch einen kleinen Schuss

heilige Verrücktheit, sag ich mal, wie uns nicht zuletzt auch unser heutiger Predigttext zeigt.

 

Dort begegnet uns eine alte Bekannte: Maria, die Schwester der Marta und des Lazarus (vgl. Joh 11, 1f.), Maria Magdalena womöglich. Und was sie tut, das ist wenigstens unkonventionell, wenn nicht unter normalen Umständen gar gänzlich unvernünftig und toll. – Viele, so hören wir, nehmen an ihrem Verhalten Anstoß.

 

Was sie nämlich tut, das ist dieses: Sie kommt zu Jesus mit einem Flakon kostbarsten Salböls; sie öffnet das Fläschchen und entleert es über ihn. Den Gegenwert dessen, wofür ein Arbeiter rund ein Jahr lang hätte schuften müssen (vgl. Mt 20, 2), setzt sie ein in eine einzige, flüchtige, aber zutiefst von Herzen kommende Geste. – Ja, sie verschwendet das kostbare Salböl und zugleich sich selbst in diesem einen, alles mit Worten Sagbare letztlich übersteigenden Akt spiritueller Leidenschaft.

 

Warum?

 

Nun, darum, weil sie, die sie zu Christus in einem offenbar besonders intimen Verhältnis steht (vgl. Lk 10, 38 – 42), bereits ahnt oder weiß, dass er seinem Tod – dem Selbstopfer am Kreuz – entgegengeht.

 

„[S]ie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis“ (Mk 14, 8),

 

erklärt er.

 

Darum, will ich meinen, zuallererst aber auch, weil sie ihn schlicht und ergreifend liebt: liebt „von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all

[ihrer] Kraft“ (Dtn 6, 5); liebt mit allem, was sie ist und hat; liebt mit Leib und Seele und – denn gerade auch dafür steht das wohlriechende Öl – mit großer Sinnlichkeit.

 

Denn Gott kommt, wie gesagt. Jesus Christus ist schon unterwegs. – Doch es sind nicht zuerst die Meinungen und guten Vorsätze, das intellektuelle Verständnis oder die lobenswerten Taten als solche, die Ihm den Weg bereiten. – Sondern es ist, nochmal, die Bereitschaft eben, sich auf Ihn und auf die Liebe, die Er ist, einzulassen, ihr Raum zu geben und sie in Fluss geraten zu lassen.

 

Wie es der Titel eines spirituellen Buches, das ich gerade lese, ansprechend provokativ formuliert, der da lautet „Be love now“ [Ram Dass / Rameshwar Das, Be love now. Der Weg des Herzens, Bielefeld 2 2012.], „Sei jetzt Liebe!“.

 

Oder wie dann auch der Apostel Paulus schreibt:

 

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1Kor 13, 13)

 

Bin ich dazu aber bereit? Kann ich aus mir raus- und dem kommenden Gott wirklich entgegen gehen? Will ich in meiner Gottesbeziehung auch noch mal etwas wagen und riskieren, etwas „Verrücktes“ vielleicht auch? Mag ich mich an Gott „verschwenden“? – Und falls nicht, warum nicht? Was fehlt oder ist mir im Weg? Wovor scheue ich zurück und warum?

 

Das alles sind Fragen, verehrte Gemeinde, die sich jede und jeder von uns gerade auch heute, am Eingang der Karwoche, gut stellen kann. – Fragen, nicht um uns zu beschämen oder um uns ein schlechtes Gewissen zu machen, aber um uns über das, was wir schon haben, hinaus womöglich noch die ein oder andere neue und zusätzliche Perspektive zu eröffnen.

 

„Siehe, ich komme bald[.]“ (Offb 22, 13),

 

spricht Jesus Christus.

 

Und für uns Christen ist das weder eine Drohung noch ein Wort der Vertröstung auf ein fernes Irgendwann. – Sondern es ist die immer aktuelle

Einladung, mit ihm gerade auch hier und jetzt noch einmal ganz neu durchzustarten, wenn Sie so wollen: hier und jetzt, als die, die wir eben

jeweils sind; hier und jetzt, mit allem, was wir schon geben oder noch zu geben haben; hier und jetzt, jeder für sich und alle gemeinsam, in diesen besonderen Tagen, die wir gerade erleben.

 

Ich möchte gern schließen mit einem Gebet der Selbsthingabe, das ich bei der evangelischen Mystikerin und Ordensgründerin Basilea Schlink (1904 – 2001) gefunden habe, und lade auch Sie herzlich zum Mitbeten ein:

 

„Mein Herr Jesus Christus,

Dir möchte ich mich hingeben mit Leib, Seele und Geist, da[ss] Du über mich verfügst. Unter welche Herrschaft sollte ich mich lieber

stellen als unter die Deine! Du führst mich mit dem sanften Stab des guten Hirten. Wie Du verfügst mit mir zu tun, so sei es mir immer

recht – auch jetzt. Gib mir Leid oder Freude – la[ss] mich gesund oder elend sein – gib oder nimm mir Menschen, Gaben, Güter – mein Wille

sei Dir völlig hingegeben. Ich weiß, da[ss] niemand mich mit größerer Liebe führen und keiner sich meinen Weg besser erdenken kann als

Du, der Du gekommen bist, da[ss] wir glückselig werden, und dafür Dein Leben in den Tod gabst.“ [Schlink, Basilea, Gebetsleben. Anleitung und Gebete, Darmstadt-Eberstadt 1974, 109.]

 

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

 

 

Lied: „Ich bete an die Macht der Liebe“ (EG 641, 1-6)

 

Sich und die Welt Gott anvertrauen

 

Fürbitten

 

Im Frieden lasst uns den Vater bitten

durch Jesus Christus, unseren Herrn.

 

Allmächtiger und barmherziger Gott,

die Welt hungert danach, Dir zu begegnen.

Zeige Dich allen, die nach Dir suchen.

Entflamme sie in Deiner über-heißen Liebe.

Schenke Dich Deiner Kirche

durch Dein Wort und Sakrament,

durch Deinen Segen und Zuspruch.

Gib, dass auch wir Boten Deines Heils sein können,

wo andere uns brauchen.

 

Steh uns und unseren Mitmenschen auch da bei,

wo wir Dich nicht sofort vermuten

und Dich doch umso mehr brauchen:

an unserem Arbeitsplatz;

in den Beziehungen, die wir führen,

und in den Kämpfen, die wir ausfechten müssen.

Schenke uns Maß und Verstand,

Einsicht, Wollen und Vollbringen.

Segne besonders auch die,

die Verantwortung tragen

in der Welt und in unserem Land.

 

Besonders bitten wir dich für diejenigen,

denen es schlecht geht:

für die Menschen, die Mangel leiden

oder denen Sorgen und Verzweiflung zusetzen;

für die, deren wirtschaftliche Existenz

oder deren Familienfrieden bedroht ist;

für die Kranken und Sterbenden vor allem auch.

Zeige Dich ihnen, wenn ihnen die Zukunft Angst bereitet.

Sei Du ihr Licht, wenn es um sie dunkel zu werden droht.

 

In der Stille bitten wir Dich schließlich für alle,

die uns besonders am Herzen liegen

und deren Namen wir nun vor Dich bringen:

 

[Stille]

 

Erhalte uns alle in der Liebe zueinander und zu Dir.

 

So bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus,

der mit Dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt

und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Alle: Vater unser im Himmel...

 

Mit Gott gehen

 

Lied: „Bei dir, Jesu, will ich bleiben“ (EG 406, 1-6)

 

Segen

 

Und so segne und behüte uns der ewige und allmächtige Gott:

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. (+)

Alle: Amen.

 

Musik zum Ausgang

 

Vielleicht haben auch andere Menschen Interesse an dem kleinen Andachtsblatt? Wir schicken es auf Wunsch gerne zu. Und

wenn Sie mächten, könnten Sie es anderen in den Briefkasten werfen mit einem kleinen persönlichen Gruß.

 

Ganz herzlichen Dank an KMD Thomas Haller, Orgel; Johann Konnerth und Jörg Günter, Trompeten und unseren Techniker Sascha

Bauer.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche! Ihr Pfarrer Jan Langfeldt