07.04.2020 / Kardienstag - Ein Gottesdienst für Zuhause

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Ein Gottesdienst für Zuhause am Kardienstag, 07.04.2020
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Sich einfinden und Gott zuwenden

 

Auch in Corona-Zeiten feiern wir Gottesdienst, nicht miteinander in der Kirche, aber im Glauben verbunden zu Hause. 

 

Wir feiern ihn im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

 

„Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Joh 3, 14b-15)

Unter diesem Wochenspruch steht der heutige Kardienstag und diese Karwoche.

 

Jesus [nahm aber zu sich die Zwölf und] sprach [zu ihnen]: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lk 18, 31)

 

Jesu Weg ins Leiden, Jesu Weg ans Kreuz. Darauf richten wir in der Passionszeit unseren Blick. Betend, singend, nachdenkend gehen wir sozusagen Jesu Leidensweg mit – dieses Jahr nicht gemeinsam in der Johanneskirche, sondern jede und jeder für sich zu Hause.

 

In diesem Jahr schauen wir dabei auf Bilder, die der Pfarrer und Künstler Sieger Köder gemalt hat. Insgesamt 14 Stationen des Kreuzwegs Jesu hat er in der Kirche St. Stephanus in Wasseralfingen dargestellt. Einige davon werden uns in dieser Andachtsreihe begegnen. Wenn Sie die Originale sehen wollen, gehen Sie doch bei Gelegenheit einfach dorthin. Einstweilen haben wir Ihnen eine Skizze des Bildes unten angefügt.

 

Heute ist es das Bild „Jesus begegnet seiner Mutter“.

 

Was in einer fernen Zeit geschah, holen wir uns so vor Augen und in unsere Gegenwart.

 

Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85, 1-3

 

Wir beten mit Worten aus Psalm 102:

 

Herr, höre mein Gebet

und lass mein Schreien zu dir kommen!

Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch

und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.

Ich bin wie die Eule in der Einöde,

wie das Käuzchen in den Trümmern.

Du aber, Herr, bleibst ewiglich

und dein Name für und für.

Denn er schaut von seiner Heiligen Höhe,

der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,

dass er das Seufzen der Gefangenen höre

und losmache die Kinder des Todes,

dass sie in Zion verkünden den Namen des Herrn

und sein Lob in Jerusalem.

 

Wir beten weiter.

Gott unser Vater,

unser Leid gerade in diesen Zeiten ist dir nicht verborgen 

und unser Elend ist dir nicht fremd.

Jesus dein Sohn hat als wahrer Mensch 

Leid erfahren und den Tod am Kreuz erlitten.

Tröste und bewahre uns in aller Not durch ihn,

Christus, unsern Herrn.

 

Höre uns nun, wenn wir in der Stille zu dir beten. 

   

Stille

 

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich 

und gibst meiner Seele große Kraft. 

Amen.

 

Sich von Gott ansprechen lassen

 

Die Schriftlesung heute ist zugleich der Predigttext. Sie steht beim Evangelisten Lukas, Kapitel 2, 25-35

 

Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon; 

und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete 

auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war auf ihm.

Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen.

Und er kam vom Geist geführt in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, 

wie es Brauch ist nach dem Gesetz,

da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

„Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren,

wie du gesagt hast;

denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,

das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern,

ein Licht zur Erleuchtung der Heiden

und zum Preis deines Volkes Israel.“

Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, 

was von ihm gesagt wurde.

Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: 

„Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen, und ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen –, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden.“

 

Herr, segne dein Wort an uns allen. Amen.

 

Lasst uns darauf antworten mit den Worten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. (EG 686)

 

Predigt

„Jesus begegnet seiner Mutter“ auf shop.verlagsgruppe-patmos.de ansehen.

 

Liebe Gemeinde,

 

die Römer haben aus der Kreuzigung ein öffentliches Schauspiel gemacht. Der zum Tode Verurteilte musste sein eigenes Hinrichtungswerkzeug durch die Gassen der Stadt Jerusalem bis nach Golgatha tragen. Er war umringt von Schaulustigen und Sensationslüsternen, die nur Hohn und Spott für den Todeskandidaten übrig hatten – und vielleicht manchmal auch Mitleid. Fehlte nur noch, dass man Kameras und Handys zückt, um im Bild einzufangen, wie ein anderer, körperlich geschunden, blutend und fast völlig entkräftet, einen schweren Balken trägt, mehrfach unter der Last zusammenbricht und sich am Ende nur noch dahinschleppen kann. 

 

Die Passion Jesu findet nicht im Verborgenen statt, sein Leiden wird öffentlich gemacht. Und wir schauen dabei zu. Neugierig oder andächtig, erschüttert oder mit Abscheu, werden selbst zu Tränen gerührt oder möchten am liebsten die Augen vor so viel Leid verschließen.

 

Darf man die Qualen eines Menschen öffentlich darstellen, ja zur Schau stellen? Werden hier nicht die Grenzen des Anstands und des guten Geschmacks überschritten? Ist Leiden nicht etwas zutiefst Persönliches, ja Intimes, das nur die Betroffenen selbst etwas angeht? 

 

Auf dem vierten Bild des Kreuzweges von Sieger Köder, das wir heute miteinander betrachten, ist der leidende Jesus für einen kurzen Moment den Blicken entzogen.  Das Bild, das Sie heute als Skizze vor sich haben, trägt den Titel „Jesus begegnet seiner Mutter.“

 

In den Evangelien werden immer wieder Begegnungen zwischen Maria und Jesus geschildert, aber keine, die auf dem Kreuzweg stattgefunden hätte. Dennoch ist es möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, dass Maria den Kreuzweg ihres Sohnes mitverfolgt hat und sie dort aufeinandergetroffen sind. Nimmt man die Worte des alten weisen Simeon ernst, der das Jesuskind im Tempel in den Armen wiegen darf, dann wird durch Marias Seele ein Schwert dringen (vgl. Lk 2,35). Diese Prophezeiung scheint sich nun zu erfüllen: Die Mutter, die ihren Sohn unter dem Herzen heranwachsen spürte, muss ihn endgültig loslassen, muss mitansehen, wie er leidet und stirbt.

 

Mitten durch das Bild geht der Balken des Kreuzes, an dem Jesus sterben wird. Er trennt Mutter und Sohn und verbindet sie zugleich. An den Begegnungen zwischen Maria und Jesus in den Evangelien ist immer wieder die schroffe, ja zurückweisende Art Jesu erschreckend. Er habe eine neue Familie, man solle ihn auf seinem Weg nicht aufhalten, „Frau, was geht‘s dich an, was ich tue“. Es scheint fast so, als ob der Balken schon seit langer Zeit unsichtbar zwischen Mutter und Sohn gestanden hätte. 

 

Rechts davon in einem grünen Gewand gehüllt eine Mutter, die ihren Sohn am Leben wissen möchte, gesund und glücklich. Links davon ein Sohn im roten Gewand, der seinen eigenen, ihm allein bestimmten Weg geht, ja, von Gott her gehen muss. Eine tragische Familiengeschichte, in der Mutter und Sohn sich entfremdet haben.

 

Nun ist es aber dieser Balken, an dem sie und durch den sie wieder zueinander finden. Jesus hat ihn mit zwei Händen fest im Griff. Es ist, als ob Jesus sein Schicksal bejaht und annimmt. Aber da ist noch eine andere Hand, die sich sanft auf die Hand Jesu legt, die Hand seiner Mutter. Es sind nur diese Hände zu sehen, alles andere bleibt hinter dem Balken verborgen, so, wie es vielleicht sein sollte in diesem intimen Augenblick zwischen Mutter und Sohn. 

 

Es ist, als wäre der Kreuzweg Jesu für einen Moment unterbrochen. Für einen Moment keine öffentliche Zurschaustellung und keine verächtlichen Blicke auf seine Person, für einen Moment Hoffnung. 

 

Es ist auffällig, dass Sieger Köder Maria hier nicht, wie sonst üblich, in ein himmlisches Blau hüllt, sondern in ein sattes irdenes Grün. Das ist bewusst so gewählt, wie auch das rote Gewand des Sohnes: Rot ist die Farbe des Blutes, der Märtyrer, aber auch der Liebe. So stehen sich Liebe und Hoffnung gegenüber und werden durch das Kreuz verbunden.

 

Was zwischen Mutter und Sohn gesagt wird, dessen können wir nicht Zeugen sein, das muss ein Geheimnis bleiben. Wir können nur vermuten, dass der Schmerz der Mutter ins Unendliche geht, weil sie nun Abschied nehmen und ihren geliebten Sohn alleine lassen muss. Was wir dagegen sehen können ist eine Geste. Zwei Hände, die sich berühren. Mehr braucht es in diesem Augenblick auch nicht, als da zu sein für einen anderen – und mit ihm einen Augenblick auszuhalten. Maria kann ihrem Sohn das Kreuz nicht abnehmen, aber sie kann Anteil nehmen an seinem Schmerz und seinem Leid.

 

So geschieht es bis heute in dieser Welt: Da wird Leiden geteilt, Trost gespendet, da setzen sich Menschen für andere ein, die sich in Not befinden, halten mit ihnen aus. Aber es findet hinter dem Kreuz im Verborgenen statt. Ohne große Aufmerksamkeit, ohne großes Aufsehen. Und doch stetig und verbindlich. Wie sähe die Welt nur ohne sie aus, ohne die vielen Marias, die diesen Dienst tun, ohne, dass es einer sieht und merkt – manchmal auch nur mit einer kleinen Geste. So wie es das Matthäusevangelium beschreibt, auch daran denken wir in dieser Passionszeit: 

 

„Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Geschwistern, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,35f.40b)

 

Lied: „Selig seid ihr“ (EG 651, 1-4)

 

Sich und die Welt Gott anvertrauen

 

Fürbitten

 

Gott, unser Vater,

wir danken dir:

Du siehst uns. 

Du kennst uns. 

Du bist uns nahe.

Gerade in diesen schwierigen Zeiten 

bitten wir dich für uns und für die Menschen 

überall auf der Welt: 

Wenn wir nicht mehr können, dann   

tröste du die Traurigen.

Stärke die Kranken.

Mache den Ängstlichen Mut.

Bleibe bei deiner Kirche und dieser Welt.

Lass uns wissen:

Bei dir sind wir geborgen

im Leben und im Tod.

 

Alle: Vater unser im Himmel...

 

Mit Gott gehen

 

Lied: „Nun gehören unsre Herzen“ (EG 93, 1-4) 

 

 

Segen

 

Der Herr segnet dich und behütet dich. 

Der Herr lässt sein Angesicht leuchten über dir und ist dir gnädig. 

Der Herr erhebt sein Angesicht auf dich und gibt dir seinen Frieden.

Alle: Amen.

 

Vielleicht haben auch andere Menschen Interesse an dem kleinen Andachtsblatt? Wir schicken es auf Wunsch gerne zu. Und wenn Sie mächten, könnten Sie es anderen in den Briefkasten werfen mit einem kleinen persönlichen Gruß.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Karwoche! 

Ihre Pfarrerin Theresa Haenle