09.04.2020 / Gründonnerstag - Ein Gottesdienst für Zuhause

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Ein Gottesdienst für Zuhause am Gründonnerstag, 09.04.2020
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Sich einfinden und Gott zuwenden

 

Auch in Corona-Zeiten feiern wir Gottesdienst, nicht miteinander in der Kirche, aber im Glauben verbunden zu Hause. 

 

Wir feiern ihn im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

 

„Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr.“ (Psalm 111, 4)

Unter diesem Tagesspruch steht der heutige Gründonnerstag.

 

Jesus [nahm aber zu sich die Zwölf und] sprach [zu ihnen]: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lk 18, 31)

 

Jesu Weg ins Leiden, Jesu Weg ans Kreuz. Darauf richten wir in der Passionszeit unseren Blick. Betend, singend, nachdenkend gehen wir sozusagen Jesu Leidensweg mit – dieses Jahr nicht gemeinsam in der Johanneskirche, sondern jede und jeder für sich zu Hause.

 

In diesem Jahr schauen wir dabei auf Bilder, die der Pfarrer und Künstler Sieger Köder gemalt hat. Insgesamt 14 Stationen des Kreuzwegs Jesu hat er in der Kirche St. Stephanus in Wasseralfingen dargestellt. Einige davon werden uns in dieser Andachtsreihe begegnen. Wenn Sie die Originale sehen wollen, gehen Sie doch bei Gelegenheit einfach dorthin. Einstweilen haben wir Ihnen eine Skizze des Bildes unten angefügt.

 

Heute ist es das Bild „Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz“.

 

Was in einer fernen Zeit geschah, holen wir uns so vor Augen und in unsere Gegenwart.

 

Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85, 1-3

 

Wir beten mit Worten aus Psalm 102.

 

Herr, höre mein Gebet

und lass mein Schreien zu dir kommen!

Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch

und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.

Ich bin wie die Eule in der Einöde,

wie das Käuzchen in den Trümmern.

Du aber, Herr, bleibst ewiglich

und dein Name für und für.

Denn er schaut von seiner Heiligen Höhe,

der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,

dass er das Seufzen der Gefangenen höre

und losmache die Kinder des Todes,

dass sie in Zion verkünden den Namen des Herrn

und sein Lob in Jerusalem.

 

Wir beten weiter.

Gott unser Vater,

unser Leid gerade in diesen Zeiten ist dir nicht verborgen 

und unser Elend ist dir nicht fremd.

Jesus dein Sohn hat als wahrer Mensch 

Leid erfahren und den Tod am Kreuz erlitten.

Tröste und bewahre uns in aller Not durch ihn,

Christus, unsern Herrn.

 

Höre uns nun, wenn wir in der Stille zu dir beten. 

   

Stille

 

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich 

und gibst meiner Seele große Kraft. 

Amen.

 

Sich von Gott ansprechen lassen

 

Die Schriftlesung heute ist der Psalm 22.

 

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,

und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Du aber bist heilig,

der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich;

und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet,

sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;

denn es ist hier kein Helfer.

Aber du, Herr, sei nicht ferne;

meine Stärke, eile, mir zu helfen!

 

Herr, segne dein Wort an uns allen. Amen.

 

Lasst uns darauf antworten mit den Worten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. (EG 686)

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde,

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben. Amen.

 

Predigt

 

 

 

 

„Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz“

auf www.nikolaus-und-joseph.de ansehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

„Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz“

 

Jesus am Kreuz, dieses Bild ist uns Christen vertraut. Schließlich begegnet uns der Gekreuzigte quasi überall in der Kirche. Und im Glauben erkennen wir ihn: als „Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“ (Joh 1, 29) und als den Hohepriester, der durch sein Selbstopfer Sühne schafft (vgl. Hebr 9, 26); als den mitleidenden Erlöser und als den paradox über alles Grenzen dieser sterbenden Welt erhöhten Gottkönig (vgl. Joh 3, 14f.)

 

Ja, das Kreuz – das aufgerichtete Kreuz –, es ist uns lieb und teuer. Nicht von ungefähr tragen auch heute noch viele Menschen ein Kreuzlein als Anhänger um den Hals, oft aus Gold oder schmuckvoll verziert. – Es ist das Zeichen des Glaubens, der christlichen Hoffnung und des Sieges!

 

Wie anders dagegen das Kreuz, als Jesus es, von den Menschen bespien und gegeißelt, zur Stätte seiner Hinrichtung hievt! – Da ist, scheints, nun wirklich absolut nichts Schönes, Hoffnung Gebendes oder sonst wie Sprechendes. – Nur ein Balken, schwer und klobig, auf den wundschwieligen Schultern des Verurteilten. Wie das Joch einen altersschwachen Ochsen, so drückt es ihn nieder, macht ihn schlingern und schlurfen, mehr vorwärtsfallend als gehend. Schließlich bricht er unter der Last zusammen. Nicht zum ersten, sondern schon zum zweiten und dritten Mal wohlgemerkt…

 

Von den verschiedenen Leiden Christi ist das Schleppen des Kreuzes vielleicht dasjenige, was einen mit am meisten anfechten kann: nicht wegen der dahinterstehenden Gewalt und der Schmerzen – die finden sich auch bei der Dornenkrönung oder bei der Kreuzigung selbst –, aber wegen der großen Banalität und scheinbaren Sinnlosigkeit, die in gerade dieser Folter liegt; wegen ihrer Eintönigkeit und der gefühlt endlosen Dauer auch.

 

Geht es doch Schritt für Schritt für Schritt für Schritt…: im immer gleichen Staub der Straße und in der Hitze des Mittags; ohne Rast und Pause, und doch viel zu langsam. – Schon wenden sich die ersten Schaulustigen desinteressiert ab; die römischen Soldaten verdrehen entnervt die Augen.

 

Aber dennoch: Auch dieses Kreuz, das geschleppte, ist ganz Passion, ganz Opfer und Zeichen des Heils! Mit ihm nimmt Christus unsere alltäglichen, oft andauernden und von anderen übersehenen Leiden auf sich: unsere vielleicht fast unsichtbaren Bindungen und Fesseln; unsere bitter gewordenen Beziehungen und in die Sackgasse geratenen Lebensentwürfe; die überschwer gewordenen Verpflichtungen genauso wie die zur Belastung gewordenen Erinnerungen und mit der Zeit verblichenen Träume.

 

Und so ist er also nicht allein Erlöser der großen Sünder und der von Schicksalsschlägen spektakulär Getroffenen, sondern ebenso auch der Weggefährte der resignierten Idealisten etwa und der vom Dasein Ermüdeten, der Abgestumpften, der chronisch Kranken und der Perspektivlosen.

 

Denn auch in all dem ist er uns nicht fern, sondern kennt und sieht uns. Auch an all diesem trägt er mit und will sich uns mitteilen – gerade auch dann, wenn viele andere nicht einmal merken, dass es bei uns etwas zu tragen geben könnte.

 

„All eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1Petr 5, 7),

heißt es. Und dieses Wort, es gilt: nicht nur, wenn wir fallen oder niedergeschlagen werden, sondern auch, wenn wir womöglich schon lange liegen und nicht noch einmal aufstehen mögen; – nicht nur in der finsteren Nacht, sondern auch an den vielen, vielen dunkelgrauen Tagen.

 

Amen.

 

Lied: „Fürchte dich nicht“ (EG 629, 1-3)

 

Sich und die Welt Gott anvertrauen

 

Fürbitten 

 

Gott, unser Vater,

in dieser Karwoche kommen wir zu dir

mit allem, was uns beschäftigt.

Wir danken dir:

Du siehst uns. 

Du kennst uns. 

Du bist uns nahe.

Gerade in diesen schwierigen Zeiten 

bitten wir dich für uns und für die Menschen 

überall auf der Welt: 

Wenn wir nicht mehr können, dann   

tröste du die Traurigen.

Stärke die Kranken.

Mache den Ängstlichen Mut.

Bleibe bei deiner Kirche und dieser Welt.

Lass uns wissen:

Bei dir sind wir geborgen

im Leben und im Tod.

 

Alle: Vater unser im Himmel...

 

Mit Gott gehen

 

Lied: „Nun gehören unsre Herzen“ (EG 93, 1-4) 

 

Segen

 

Der Herr segnet dich und behütet dich. 

Der Herr lässt sein Angesicht leuchten über dir und ist dir gnädig. 

Der Herr erhebt sein Angesicht auf dich und gibt dir seinen Frieden.

Alle: Amen.

 

Vielleicht haben auch andere Menschen Interesse an dem kleinen Andachtsblatt? Wir schicken es auf Wunsch gerne zu. Und wenn Sie mächten, könnten Sie es anderen in den Briefkasten werfen mit einem kleinen persönlichen Gruß.

Die Kollekte heute wäre für „Hoffnung für Osteuropa“ bestimmt gewesen. Da wir sie nicht im Gottesdienst einsammeln können, bitten wir um eine Überweisung direkt unter www.diakonie-wuerttemberg.de mit dem obenstehenden Stichwort.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Karwoche! 

Ihr Pfarrer Jan Langfeldt