10.04.2020 / Karfreitag  - Ein Gottesdienst für Zuhause

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Ein Gottesdienst für Zuhause am Karfreitag, 10.04.2020
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Sich einfinden und Gott zuwenden

 

Lied: „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“ (EG 83, 1+4

 

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Es ist Karfreitag und wir feiern diesen Gottesdienst, auch wenn wir räumlich getrennt sind, verbunden in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn. 

 

 „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16)

Unter diesem Tagesspruch steht der heutige Karfreitag.

 

Beten wir gemeinsam das Lied vom Gottesknecht (EG 759).

 

Fürwahr, er trug unsre Krankheit

und lud auf sich unsre Schmerzen.

Wir aber hielten ihn für den, der geplagt

und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet

und um unsrer Sünde willen zerschlagen.

Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten,

und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Wir gingen alle in die Irre wie Schafe,

ein jeder sah auf seinen Weg.

Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.

Als er gemartert ward, litt er doch willig

und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm.

Weil seine Seele sich abgemüht hat,

wird er das Licht schauen und die Fülle haben.

 

Wir beten weiter.

Bruder Jesus,

wir stehen heute bei dir am Kreuz. 

Wir denken an deine letzten Stunden. 

Wir hören auf deine letzten Worte. 

Wir wollen es feierlich tun und aufmerksam. 

Denn Du bist heute unter uns. 

Wir leben in deiner Gegenwart. 

Du bist in unserer Gegenwart. 

Und so stehen wir unterm Kreuz 

und du bist mitten unter uns.

 

In der Stille bringen wir jetzt vor Dich, 

was einen jeden und eine jede von uns 

in dieser Stunde bewegt.

   

Stille

 

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich 

und gibst meiner Seele große Kraft. 

Amen.

 

Sich von Gott ansprechen lassen

 

Die Schriftlesung ist aus Johannes 19, 17-30

 

Jesu Kreuzigung und Tod 

 

Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 

Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

 

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. 

 

Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.

Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

 

Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück.

 

Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

 

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. 

 

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

 

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund.

Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

 

Herr, segne dein Wort an uns allen. Amen.

 

Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85, 1+4) 

 

Predigt zum 2. Korintherbrief, 5, 14-21

 

Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist.

Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr.

Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 

Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben hat, das die Versöhnung predigt. 

Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns auf-gerichtet das Wort von der Versöhnung.

So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; und so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. 

 

Soweit der Predigttext für den heutigen Karfreitag. Er steht im 2. Korintherbrief, Kapitel 5, die Verse 14 bis 21. 

 

Herr, segne dein Wort an uns allen. Amen.

Wie kommen Menschen los vom Schatten ihrer Schuld?! So, liebe Schwestern und Brüder, möchte ich die entscheidende Frage formulieren, um die es an Karfreitag geht.

Immer wieder krallt sie sich an uns fest und nimmt uns in Beschlag, ganz besonders in den dunklen Stunden unseres Lebens und im Spiegel, den andere Menschen uns vorhalten.

Das ist unangenehm - vor allem, wenn es sich dabei um Menschen handelt, die uns wichtig sind, Menschen, die wir mögen und die uns mögen! 

Und plötzlich fallen uns Situationen ein, die schwierig waren, Situationen, in denen wir - mindestens gefühlt - doch irgendwie schuldig geworden sind. 

Dann ist uns diese Frage ganz nahe. Dann ist Schuld ein Thema für uns! Und wir empfinden Schwere und Last.

Überall dort, wo die Frage nach der Schuld ernsthaft gestellt wird, wird sie auch zu einer Frage oder besser zu einer Anfrage, die das Leben ganz betrifft. 

Vielleicht liegt es ja daran, vielleicht an dieser Tragweite, dass wir die Frage nach der Schuld oft lieber verdrängen, als dass wir sie stellen?! Schuld hat mit schuldig sein zu tun, mit jemandem etwas schulden.

Und das möchte niemand, denn Schulden belasten, Schulden lähmen, Schulden nehmen einem am Ende die Lebensfreude. Und das wollen wir nicht.

Nicht umsonst haben Menschen, die sich richtig schuldig fühlen, daher oft das Gefühl, da komm ich nicht mehr raus, das schaff ich nicht, das kann mir niemand abnehmen, das kann ich nie wieder gut machen, … damit kann und will ich nicht mehr leben. 

Das Empfinden von Schuld, liebe Schwestern und Brüder, zieht Menschen unter bestimmten Umständen bisweilen auch in den Tod, mindestens in seine Nähe, weil ihnen allein nur noch der Tod als Ausweg, als „Erlösung“ aus ihrem Verhängnis erscheint.

Ich denke, Sie werden solche Empfindungen auch kennen, vielleicht sogar von sich selbst, oder von anderen Menschen, diese diffuse Vorstellung: Sterben und dann noch einmal ganz von vorne beginnen.

Eine Sehnsucht, die Menschen, von Schuld gequält, so oder so ähnlich formulieren. Und damit befinden wir uns ganz in der Nähe des heutigen Predigttextes: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (V.17). 

Paulus formuliert hier stellvertretend für viele Menschen was sie empfinden und wonach sie sich sehnen, wenn sie sich schuldig fühlen: 

Wie werden wir diese Schuld, diese Schwere wieder los?! Wie kommen wir heraus aus diesem Sog in die Tiefe, in den Abgrund?! Wie können wir das Alte hinter uns lassen - und wieder neu beginnen, ganz von vorne?!

Werfen wir an dieser Stelle einen kurzen Blick auf das alte Israel. 

Dort gab es eine sehr eindrucksvolle Form der Entschuldung, des Befreit-Werdens von Schuld, nämlich die des Sühnopfers. 

Diese Vorstellung war für die Menschen damals, für ihre Frömmigkeit und ihre Lebensbewältigung etwas ganz Zentrales. 

Wir Heutigen haben freilich unsere Schwierigkeiten damit. Als ginge es darum, einen wütenden und zornigen Gott durch entsprechende Opferleistungen gnädig zu stimmen! 

Israel hingegen hatte die Einrichtung des Sühnopfers ganz anders verstanden, nämlich als ein eine Art Geschenk Gottes, als eine von ihm gegebene Möglichkeit, schwere und schwerste Lasten, Belastungen im Leben des einzelnen oder auch des Volkes zu überwinden.

Diese Vorstellung vom Sühnopfer, ist daher für den Apostel Paulus der Hintergrund, vor dem er den Tod Jesu einordnet und versteht: Wenn einer (nämlich Christus) für alle gestorben ist, so sind sie (auch) alle gestorben. (V.14b) 

Paulus sagt damit: Christus stirbt nicht nur seinen eigenen Tod, er stirbt auch unseren Tod, meinen Tod und ihren - er stirbt den Tod, in den uns die Schuld hineinziehen möchte.

Und so bedeutet der Tod Jesu eine tiefe Zäsur für die Welt - im Großen wie im Kleinen - auch für unser eigenes Leben! Fortan gilt für uns alle: Das alte, von Schuld belastete Leben hängt uns nicht länger mehr nach, lastet uns nicht mehr an, es ist vergangen, denn es ist in Jesu Tod gestorben. 

Die Zeit, als wir verzweifelt gegen diesen Sog - in den Tod hinein und seine Nähe - angekämpft haben, ist nun zu Ende. Eine neue Zeit ist angebrochen. Denn in Jesu Tod und Auferstehung ist ein kraftvoller Lebensstrom entsprungen, der nicht mehr versiegt und nicht mehr aufzuhalten ist. 

Er strömt durch diese Welt, manchmal eher unscheinbar und manchmal ganz machtvoll und stark. Er reißt uns heraus aus dem Strudel von Selbstanklage und Schuld. 

Dieser Lebensstrom trägt uns fort an einen Ort, an dem wir unbelastet und neu anfangen dürfen, befreit zu einem neuen Leben!

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangene, siehe, Neues ist geworden, wörtlich übersetzt: Siehe, es ist alles neu. (V.17).

Natürlich mögen wir da einwenden: Wie wenig beständig diese 'neue Kreatur' doch ist! Und wie leicht es geschieht, dass unser Leben wieder in den Sog des Todes gerät, durch neue Schuld, durch neue Abgründe, in die sich das Leben eines Menschen verirren kann, immer und immer wieder. 

Ich denke, Paulus antwortet darauf so: Der Tod Jesu ist die große Sühne- und Versöhnungstat Gottes, und zwar nicht nur als Angebot für Israel, sondern für die ganze Welt.

Denn hinter dem Tod Jesu steht Gott selbst. Das betont der heutige Predigttext ausdrücklich: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst! (V.19).

Damit korrigiert er auch ein weithin verbreitetes Missverständnis, als ginge es für Jesus darum, den unversöhnlichen Gott doch irgendwie versöhnlich zu stimmen, als müsste er mit seinem Opfertod den Zorn Gottes besänftigen. 

Es ist umgekehrt: Nicht Gott muss versöhnt werden, denn von ihm selbst geht ja die Initiative aus. 

 

Was die Menschen von sich aus nicht geschafft haben, vollbringt er, als Gott der Sohn, am Kreuz von Golgatha, und ein für alle Mal die Versöhnung der Welt mit sich selbst. Und das dürfen wir heute schon glauben, auch an Karfreitag. Amen.

Lied: „O Welt, sieh hier dein Leben“ (EG 84,1+5+7)

 

Sich und die Welt Gott anvertrauen

 

Lasst uns beten:

Barmherziger Gott, 

wir stehen unter dem Kreuz, 

sprachlos und zutiefst berührt. 

Ungewissheit und Angst erfüllen in diesen Tagen 

unsere Gedanken und Herzen. 

Wir sind in Sorge - um unsere Lieben 

und um all die Menschen, die jetzt in Gefahr sind. 

Wir vertrauen sie deiner Fürsorge an. 

Behüte und bewahre sie. 

Wir sorgen uns um das Zusammenleben in unserem Land. 

Wir schauen auf das, was kommen wird. 

Wir fühlen uns dabei oft hilflos und schwach. 

Wir danken dir für alle, 

die jetzt in Krankenhäusern und Laboren arbeiten. 

Wir danken dir für alle, die kranke und alte Menschen pflegen, 

Eingeschlossene versorgen und sich um das Wohl aller mühen.

Behüte und leite sie. 

Du bist unsere Hilfe und Stärke. 

Behüte uns, stärke und bewahre uns 

und erbarme dich. 

Amen.

 

 

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name. 

Dein Reich komme. 

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Mit Gott gehen

 

Lied: „Ach, Herr, lass dein lieb Engelein“ (EG 397, 3)

 

Segen

Herr, segne uns und behüte uns.

Herr, lass dein Angesicht leuchten

über uns und sei uns gnädig.

Herr, erhebe dein Angesicht auf uns

und gib uns deinen Frieden.

 

Alle: Amen.

 

 Die Kollekte heute wäre für „Hoffnung für Osteuropa“ bestimmt gewesen. Da wir sie nicht im Gottesdienst einsammeln können, bitten wir um eine Überweisung direkt unter www.diakonie-wuerttemberg.de mit dem obenstehenden Stichwort

oder direkt: Diakonie Württemberg, Hoffnung für Osteuropa, IBAN: DE37 5206 0410 0000 4080 00, BIC: GENODEF1EK1

 

 

Herzlichen Dank an KMD Thomas Haller und die Musikerinnen Judith, Hannah und Mirjam Rube

und an unseren Techniker Sascha Bauer.

 

 

Vielleicht haben auch andere Menschen Interesse an dem kleinen Andachtsblatt? Wir schicken es auf Wunsch gerne zu. Und wenn Sie möchten, könnten Sie es anderen in den Briefkasten werfen mit einem kleinen persönlichen Gruß.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Karwoche! 

Ihr Dekan Ralf Drescher