13.04.2020 / Ostermontag - Ein Gottesdienst für Zuhause

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Ein Gottesdienst für Zuhause am Ostermontag, 13.04.2020
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Musik zum Eingang

 

sich einfinden und Gott zuwenden

 

Auch am heutigen Ostermontag sind wir nicht beieinander, aber im Glauben verbunden und feiern Gottesdienst im Namen Gottes, unseres Vaters, im Namen seines auferstandenen Sohnes Jesus Christus, und im Namen des Heiligen Geistes. Amen.

 

Guten Morgen! Ich grüße Sie aus der Stadtkirche, in der ich auch heute fast alleine bin. Nun ist der Ostermontag ja nie besonders gut besucht, aber so wenige wären es ja dann auch wieder nicht.

 

Wie gut, denke ich heute, ist es doch, dass Ostern zwei Feiertage hat, auch wenn es in diesem Jahr ein ganz anderer Festcharakter ist. Aber das Fest des Lebens muss gefeiert werden, die Auferstehung kann gar nicht genug Feiertage haben, denn eigentlich ist ja jeder Sonntag die Feier der Auferstehung Jesu.

 

Christus spricht: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

(Offb 1, 18)

Unter diesem Schriftwort steht der heutige Ostermontag

 

Lied: „Christ ist erstanden“ (EG 99

 

Wir beten mit Worten des 118. Psalms.

 

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

Der Herr ist meine Macht und mein Psalm

und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:

Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Die Rechte des Herrn ist erhöht;

die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des Herrn Werke verkündigen.

Der Herr züchtigt mich schwer;

aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,

dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

Das ist das Tor des Herrn;

die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast

und hast mir geholfen.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,

ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen

und ist ein Wunder vor unsern Augen.

Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

 

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Amen.

 

Wir beten weiter.

 

Jesus, wir danken dir, 

dass Du den Tod besiegt hast und auferstanden bist, 

und dass wir uns freuen können an der Hoffnung, 

dass die Schatten des Todes 

nur begrenzte Dauer haben dürfen. 

Wir erleben in diesen Tagen, 

wie zerbrechlich unser Alltag ist, 

unsere Gesundheit, unser Glück, unsere Kraft.

Daher sind wir froh, dass wir auch am zweiten Osterfeiertag 

auf die Kraft des Lebens, 

auf die Kraft deiner Auferstehung hoffen dürfen.

Lege sie in unsere Häuser, in unsere Herzen, 

in unsere Gegenwart und Zukunft!  

Wir bringen all unsere persönlichen Anliegen 

vor Gott und beten weiter in der Stille, 

miteinander und füreinander:

 

Stille

 

Wirf Dein Anliegen auf den Herrn, 

denn er ist hier, er ist nicht fern, 

denn er ist auferstanden. Amen.

 

Sich von Gott ansprechen lassen

 

Wir hören die Schriftlesung aus dem Lukasevangelium, 

es sind die Worte des Auferstandenen 

nach der Begegnung mit den Emmausjüngern, 

zugleich Predigttext für den heutigen Ostermontag (Lukas 24,36-45)

 

Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie

und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!

Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, 

sie sähen einen Geist.

Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz?

Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe.

Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße.

Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen?

Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor.

Und er nahm's und aß vor ihnen.

Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen.

Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.“

 

Herr, segne dein Wort an uns allen.

 

Lasst uns auf das Evangelium antworten mit dem Bekenntnis unseres Glaubens. (EG 686)

 

Lied: „Erstanden ist der Heilig Christ“ (EG 105, 1-3) 

 

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

 

wie geht es weiter? Das ist zu allen Zeiten eine wichtige und eine sehr, sehr menschliche Frage. Sie hat mit Ängsten zu tun, mit Zweifeln, mit Sorge, aber auch mit einem vorsichtigen Hoffnungsschimmer und mit einem vagen Blick in die Zukunft!

 

Wie geht es weiter? Das ist die Frage des heutigen Ostermontages. Galt der Sonntag noch dem Erschrecken, dem Zweifel und dem ersten verhaltenen Jubel, baut uns der Ostermontag eine kleine Brücke in den Alltag. 

Was folgt auf die Furcht der Frauen und Jünger im Angesicht des leeren Grabes? Und später auf den Jubel im Wissen um die Auferstehung?

 

Wie geht es weiter? Laut dem Bericht des Evangelisten Lukas folgen wieder die Zweifel. Wie könnte es auch anders sein. Es folgt die Ungewissheit, ob das alles so stimmt oder ob man sich gestern am Ostermorgen doch geirrt hat. Der Tag kann noch so festlich und ausgelassen gewesen sein, am Abend könnten doch wieder Zweifel kommen. Stimmt wirklich alles, was wir gestern erlebt haben? Deuten wir die Zeichen richtig? 

 

Kaum einer der Jünger und der Frauen, die damals den Ostersonntag erlebt haben, gehen dann beruhigt zu Bett. Und wenn - dann vor Erschöpfung, aber dann kommen die Fragen am nächsten Morgen: War nicht doch alles nur ein Traum? Ist Jesus wirklich auferstanden?

 

Wie geht es weiter? Eine sehr aktuelle Frage, und habe ich gestern eine Antwort gefunden, dann kann es sein, dass heute schon alles anders ist. Wie geht es weiter? Mit meiner Gesundheit, mit meinen Eltern, mit denen, die krank sind, mit denen, die ohne Arbeit sind, wo die Einnahmen weggebrochen sind, wo es ums wirtschaftliche Überleben geht? Wie geht es weiter, in unseren Kliniken, mit den Ärzten und Pflegekräften, mit der Schutzkleidung! Werden wir die Krise gut schaffen?

 

Die Frage: Wie geht es weiter? Sie ist uralt und immer wieder brandaktuell, die Jünger zu Emmaus haben sie genauso gestellt wie wir heute. Weil es mitunter auch für unser Leben eine sehr existentielle Frage sein kann. Manchmal geht es um Belangloses, um mehr oder weniger Wichtiges, aber manchmal ist es auch von entscheidender Bedeutung, ob und wie es in unserem Leben weitergehen kann.

 

Und so saßen die Jünger damals zusammen und zweifelten und redeten. Und dann kommt Jesus plötzlich selbst in den Raum und redet zu ihnen.

Wie geht es weiter? Es ist der Herr selber, der es ihnen sagt. Erst zeigt er ihnen seine Wunden, dann isst er auch noch ein Häppchen. Er will zeigen, dass er wirklich lebt. Wer lebt, muss essen und trinken. Aber Jesus ist nicht da, um etwas zu beweisen. Er ist da, um seine Jünger zu beauftragen. 

 

Jetzt muss gepredigt werden. Vom Leiden Jesu muss erzählt werden, von der Auferstehung, und von der Vergebung der Sünden. Alle sollen wissen, was Auferstehung zu bedeuten hat, und wie es weitergeht: Predigen, Abendmahl feiern, einander die Fehler bekennen und verzeihen. Das mit der Woche des Leidens, das mit dem Karfreitag und das mit der Auferstehung war kein himmlisches Schauspiel, das mit unserem Alltag nichts zu tun hat. Es hat alles seinen Sinn und seine Richtigkeit. Dies zu begreifen, ist die Botschaft des heutigen Tages, ist die Botschaft des Ostermontages.  

 

Wie geht es weiter? Wie Gott das alles gemacht hat, können wir nicht verstehen, müssen wir aber auch nicht. Aber warum Gott das gemacht hat, das sollen wir hören und begreifen. Wir sollen leben! Und das können wir auch! Wir sollen uns dem Leben nicht ergeben und sollen die Jahre nicht einfach hinter uns bringen, egal wie. Nein, wir sollen und wir können sie gestalten. In Liebe gestalten und in Tapferkeit. 

 

Das hören die Jünger am Tag nach dem Osterfest, an unserem Ostermontag. Das hören wir am Tag nach dem Ostersonntag, an dem es allein um eine Antwort geht auf die Frage: Wie geht es denn nun weiter mit uns? Was haben wir von dem Tun, Gottes, dass er seinen Sohn von den Toten auferweckt hat.

 

Leben - das haben wir davon: Leben in Würde und im Schutz unseres Gottes. Auch wenn es manchmal nicht danach aussieht. Auch wenn die nachösterliche Welt geprägt sein wird vom Corona-Virus. Von Ansteckung und Isolation, von der Frage, wann es endlich wieder normal wird, und wir Leben wieder genießen können.

 

Wie geht es weiter? Das wird auch nach Ostern eine wichtige Frage sein? Und was ist die Antwort Jesu: Wir können leben und wir dürfen leben. Wir sollen die Tage nicht einfach hinter uns bringen, sondern ihnen einen Wert geben, den Wert der Liebe, den Wert der Achtung voreinander, den Wert der Güte und des Verzeihens. Vielleicht auch Leben wieder mehr schätzen und schützen, dankbar sein für jeden Tag, den Gott mir schenkt, erkennen, dass er mich braucht, dass ich einen Platz habe in meiner Gemeinde, in meiner Stadt, in dieser Gesellschaft. 

 

Aufeinander achten, füreinander da sein, einen Schlussstrich ziehen unter den elenden Egoismus, der nur an sich selber und ans eigene Leben denkt. Wieder den Gemeinsinn entdecken, das ist nicht nur die Chance aus der aktuellen Krise, sondern letztlich die Botschaft des Osterfestes. Und so wird es auf jeden und jede von uns nachhaltig ankommen, dass Ostern weiterwirkt, in den Alltag hinein, in ein gutes und solidarisches Miteinander, dass Osterspuren im Alltag erkennbar werden und erkennbar bleiben, und nicht gleich wieder weggewischt werden. Setzen wir solche Spuren des Osterfestes, in unserer Gemeinde, in unseren Familien, in unserer Nachbarschaft. Mit der Kraft des Auferstandenen an unserer Seite wird das gelingen. 

 

SO GEHT ES WEITER! Amen.

 

Lied: „Wo einer dem andern neu vertraut“ (EG 551, 1-6

 

Sich und die Welt Gott anvertrauen

 

Fürbitten 

 

Guter Gott des Himmels und der Erde!

Wir bitten dich für diese Welt und ihre Menschen.

Für alle, die in sich selbst gefangen sind, um Türen, die sich öffnen.

Für die Trauernden bitten wir um Trost und neue Hoffnung.

Für die Enttäuschten und Verzagten bitten wir um neuen Mut.

Für alle, die in ihrem Glauben irregeworden sind,

bitten wir um Überwindung des Zweifels.

Für die Belasteten und Beladenen bitten wir 

um Menschen mit Zeit und offenen Ohren.

Für alle Kranken, für alle Besorgten, für alle, 

die in der Politik und im Gesundheitswesen alles geben, 

oft weit über ihre Kräfte und Belastbarkeit hinaus, 

bitten wir, dass sie die Kraft 

Deiner Auferstehung ganz besonders spüren.

Und so bitten wir Dich für uns alle auf dem Weg 

in die nachösterliche Zeit um Dein Geleit, 

um Trost und Hoffnung, und auch 

um ein baldiges Ende dieser Krise. 

Steh uns bei als Auferstandener 

mit der Hoffnung auf Leben und Zukunft,

mit Deiner Nähe und Deinem Geleit. Amen.

 

Alle: Vater unser im Himmel...

 

Mit Gott gehen

 

Lied: „Er ist erstanden, Halleluja“ (EG 116, 1+5

 

Segen

 

Gehet in den Tag und in die Woche und in alle Zukunft, die Gott uns schenken möge, unter der Gnade und dem Segen unseres Herrn:

 

Der Herr segnet Dich und behütet Dich.

Der Herr lässt sein Angesicht leuchten über Dir und ist Dir gnädig.

Der Herr erhebt sein Angesicht auf Dich und schenkt Dir Frieden. 

 

Alle: Amen.

 

Musik zum Ausgang

 

Vielleicht haben auch andere Menschen Interesse an dem kleinen Andachtsblatt? Wir schicken es auf Wunsch gerne zu. Und wenn Sie möchten, könnten Sie es anderen in den Briefkasten werfen mit einem kleinen persönlichen Gruß.

 

Ganz herzlichen Dank an KMD Thomas Haller, Orgel, und den Techniker Sascha Bauer.

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Ostermontag! 

Ihr Pfarrer Bernhard Richter