22.03.2020 / Lätare - Ein Gottesdienst für Zuhause

In diesen Tagen, wo wir uns nicht in den Kirchen zum Gottesdienst treffen können, fällt Kirche nicht aus, sie wird nur anders. Hier finden Sie die Bestandteile, um mit Liedern und Musik, Gebeten und Impuls Ihren Gottesdienst zu Hause feiern zu können. 

 

Sollte technisch etwas nicht gleich klappen, nochmal probieren und bitte um Geduld – wir üben weiter…

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2020.03.22 / Lätare - Gottesdienst für Zuhause
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Die Links zur Musik zum Gottesdienst im Überblick

Musik zum Eingang (Audio)

Lied 1 EG 456 Vom Aufgang der Sonne

Lied 2 EG 98   Korn, das in die Erde 

Lied 3 EG 408 Meinem Gott gehört die Welt

Lied 4 EG 170 Komm, Herr, segne uns

Musik zum Ausgang (Audio)

 


Musik zum Eingang von unserem kleinen Ensemble. 

Sich einfinden und Gott zuwenden

Wir sind beieinander im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Wort zum Tag

Der heutige Sonntag heißt Lätare, das heißt: Freuet euch! 

(nach Jesaja  66,10). Er wird gelegentlich auch „kleines Ostern“ genannt, weil er in der Mitte der Fastenzeit liegt. Seine liturgische Farbe ist Rosa als Mischung aus Violett (Farbe der Buße in der Fastenzeit) und Weiß (Ostern). Vielleicht schmücken Sie Ihren Tisch mit entsprechenden Tüchern oder Servietten. Frische Blumen aus der Garten sind schön. Manche schneiden auch einen „Lätarezweig“, der bis Ostern treibt.

 

„Lätare“ – ausgerechnet jetzt sich freuen! In diesem ganzen Durcheinander, in dieser großen Unsicherheit – keiner weiß, wie lange das alles dauert und was es mit sich bringt. 

Der Wochenspruch nimmt uns mit auf das freie Feld, wo wir erfahren, dass der Weg von Jesus Christus nicht am Leid vorbei geht, sondern mitten hindurch.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh 12,24)

Das Dunkle wird nicht verdrängt, sondern durchlebt. Die Hoffnung lässt sich nicht für immer vergraben, sondern sie bringt neue Halme und Früchte hervor.

 

Das Lied: „Vom Aufgang der Sonne“ (EG 456) können Sie zu Beginn singen und sich dabei vom kleinen Chor unterstützen lassen.

 

Wir beten.

Herr unser Gott,

du hast diesen neuen Tag für uns werden lassen,

einen neuen Tag, um uns dir zuzuwenden

einen neuen Tag, um uns von deiner Botschaft verändern zu lassen,

einen neuen Tag, um unsere Sorgen auf dich zu werfen,

statt uns von ihnen beherrschen zu lassen.

Wir danken dir für diesen Tag.

So gerne wären heute viele von uns in die Kirche gegangen,

in dein Haus, um zusammen Gottesdienst zu feiern.

Wir vermissen das Miteinander und in aller Freiheit Menschen zu treffen.

Sei du unser Trost.

Lass uns neue Wege finden und alte wieder frei machen.

So feiern wir heute zu Hause, Groß und Klein.

Du bist unsere starke Verbindung, untereinander und zu dir.

Sei und bleibe du bei uns.

Amen.

 

Sich von Gott ansprechen lassen

Das Lied: „Korn, das in die Erde“ (EG 98, 1-3) können Sie nun singen und sich dabei vom kleinen Chor unterstützen lassen.

 

Impuls

Eigentlich hätten wir heute in der Aalener Stadtkirche den feierlichen Abschlussgottesdienst von Konfi 3 feiern wollen. Aber nun kam es, wie in so vielen Bereichen unseres Lebens, durch die Corona-Pandemie ganz anders. Wir können uns heute nicht gemeinsam in der Kirche treffen, um dort mit den Konfi 3-Kindern den Abendmahlstisch zu decken und Abendmahl zu feiern. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Dieses Fest holen wir zu gegebener Zeit nach, das lassen wir uns nicht entgehen.

Ihr Konfi 3-Kinder könnt Euch heute zu Hause um den Tisch setzen und die Konfi 3-Kerze anzünden zum Zeichen: Gott ist da, auch heute. Ich habe mir überlegt: Was hat auch etwas mit essen zu tun und ist für alle zu Hause machbar und ist für alle – auch für die, die keine Konfi 3-Kinder haben – ein Zeichen in dieser besonderen Zeit? 

Dabei ist mir etwas eingefallen, was Jesus seinen Jüngern gesagt hat und was sie sich leicht merken konnten – zwei Sätze:

 

„Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“

 

Das ist nun wirklich leicht zu merken. Und was meint Jesus genau damit? Hören wir gemeinsam auf den kurzen Abschnitt aus der Bibel, aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 5, 13-16, wo Jesus sagt:

 

„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 

So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

 

Was Salz und was Licht ist, das weiß jede und jeder. Da können alle etwas damit anfangen. Und viel braucht es davon gar nicht. Eine Prise für die Suppe. Einen Teelöffel für eine große Schüssel Brotteig. Mehr soll es gar nicht sein, sonst ist die Sache versalzen, ungenießbar.* (Unten folgt für Kinder ein Salzwasser-Experiment.)

 

Jesus gibt seinen Jüngerinnen und Jüngern damit einen klaren Auftrag: Ihr sollt etwas tun, etwas Gutes für die anderen; etwas, das wirkt; etwas, das sichtbar ist, um damit Gottes Licht in der Welt leuchten zu lassen, um den entscheidenden Unterschied zu machen.

Die Prise Salz löst sich in der Suppe auf. Der TL Salz im fertigen Brot auch. Ich kann sie nachher nicht mehr herausholen. Aber sie machen den entscheidenden Unterschied.

Wer jetzt noch am Frühstückstisch sitzt, kann etwas gleich ausprobieren: Bestreicht eine kleine Scheibe Brot mit etwas Butter und schneidet sie halb durch. Auf die eine Seite kommen ein paar Krümel Salz, auf die andere nicht. Selbst bei einer „Blindverkostung“ werde ich den Unterschied sofort schmecken.

 

Ob das Handydisplay im dunklen Straßenabschnitt leuchtet oder nicht – es macht den entscheidenden Unterschied, ob die Angst mich überfällt oder nicht.

 

Viel braucht es nicht, Salz und Licht in der richtigen Dosierung. Das genau seid Ihr, meine Leute, in der Welt und für die Menschen, sagt Jesus. „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt!“ Nicht „Ihr sollt es sein!“, keine Aufforderung, sondern eine Feststellung: „Ihr seid es. Nehmt das ernst und macht was draus.“ Gerade nach dem Matthäusevangelium fordert Jesus die Seinen auf – und wir können uns da ruhig auch angesprochen fühlen – der Gerechtigkeit im Alltag Raum zu verschaffen. Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Fremde aufnehmen, Nackte kleiden, Kranke und Gefangene besuchen. Wenn wir Salz und Licht sind, sollen die anderen es durch uns spüren.

Viele sagen: Gott sehe ich doch gar nicht. Also gibt es ihn auch nicht. Vielleicht schauen sie aber auch nicht richtig hin. Denn man braucht Augen des Herzens, um zu sehen: Gott ist da in der Welt. Er lässt sich durch uns Menschen sehen und spüren.

 

    • Genau da, wo Männer und Frauen jetzt in der Krise hilfsbereit einspringen

    • Genau da, wo Jugendliche sagen: Wir gründen eine Gruppe, wo wir Leuten, die nicht aus dem Haus können oder dürfen, Botengänge, zB           in die Apotheke abnehmen und Lebensmittel einkaufen – Hungrige speisen

    • Genau da, wo Menschen nach ihren Nachbarn schauen und wo Menschen sich was sagen lassen und Hilfe annehmen

    • Wo Enkel der Oma einen Brief schreiben, Schüler der Lehrerin eine freundliche Nachricht schicken, weil wir uns gerade eben nicht direkt          besuchen sollen - so schwer das ist

    • Wo wir rücksichtsvoll sind und uns zurücknehmen

    • Wo Geschwister jetzt nicht auch noch herumstreiten

    • Wo wir im Supermarkt gelassen bleiben, wenn alle mit den Nerven am Ende sind

    • Wo Menschen sich dafür einsetzen, dass das Mietrecht geändert wird und man nicht gleich aus der Wohnung fliegt, wenn man zwei                  Monatsmieten nicht gezahlt hat

    • Genau da, wo…

 

Genau da ist Gott durch uns wirksam, sichtbar, freundlich zu uns.

So können wir „Salz der Erde sein und Licht der Welt“ sein. Wir haben es in den letzten Tagen oft gehört: Auf jede und jeden einzelnen kommt es jetzt an. Ob ich auf meinen Vorteil verzichte und meine Bedürfnisse einschränke um Jesu Christi und meines Nächsten willen.

Die guten Taten leuchten lassen – vielleicht geht das in diesen Tagen so: best practice in den Medien bekannt machen, damit andere auf den Zug aufspringen – aber nicht, um selbst gesehen zu werden, sondern dass wir gemeinsam der Stadt Bestes suchen, gemeinsam gegen Missstimmung, Panikmache und Falschmeldungen eintreten – besonnen und gelassen – im Wissen, dass wir im Kleinen wichtig sind wie Salz in der Suppe, ein Licht der Hoffnung in der Nachbarschaft.

Gerade auch wenn die Welt, in der ich mich bewegen kann, klein geworden ist: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“

 

Amen.

 

Das Lied: „Meinem Gott gehört die Welt“ (EG 408, 1-6) können Sie nun singen und sich dabei vom kleinen Chor unterstützen lassen.

 

Sich und die Welt Gott anvertrauen

 

Fürbitten – Die Anwesenden können reihum eine Fürbitte lesen.

 

Gott, ich zünde eine Kerze an...

...für alle, die sich heute Nacht einsam fühlten

...für alle, die Angst haben

...für alle, die sich um geliebte Menschen sorgen

...für alle, die jemanden in diesen Zeiten verloren haben und ihn jetzt nicht im Sterben oder auf dem letzten Weg begleiten durften

...für alle Kranken

...für alle Pfleger und Ärztinnen

...für alle die weiter arbeiten gehen, damit unser System nicht zusammen bricht

...für alle, die zu Hause bleiben, damit unser System nicht zusammenbricht

…für alle, die hier und weltweit leiden

            an Hunger und Armut,

            an fehlender Bildung und Arbeit,

            an unhaltbaren Zuständen in Lagern und als Flüchtlinge.

 

Wir sind verbunden mit allen, die sich an dich wenden, Gott, 

und deine Nähe brauchen. Sei und bleibe du bei uns.

 

So beten wir gemeinsam das Gebet, das Jesus uns anvertraut hat:

Alle: Vater unser im Himmel...

 

Mit Gott gehen

 

Das Lied: „Komm, Herr, segne uns“ (EG 170, 1-4) können Sie zum Schluss singen und sich dabei vom kleinen Chor unterstützen lassen.

 

Segen

Es segne uns der gekreuzigte und auferstandene Herr – Jesus Christus,

der sich in die Stille der Wüste zurückzog

der in der Welt von Gottes Liebe erzählte

der durch Leid und Tod ging und sie für uns überwand

der uns treu und liebend begleitet auch durch diese Zeit.

 

So segne uns der dreieinige Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Alle: Amen

 

Musik zum Ausgang von unserem kleinen Ensemble können Sie zum Schluss hier hören.