29.03.2020 / Judika - Ein Gottesdienst für Zuhause

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Ein Gottesdienst für Zuhause am Sonntag Judika, 29.03.2020
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Musik zum Eingang

Sich einfinden und Gott zuwenden

 

Auch in Corona-Zeiten feiern wir Gottesdienst, nicht miteinander in der Kirche, aber im Glauben verbunden zu Hause und wir feiern ihn im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

   Heute feiern wir den Sonntag Judika. 

Der 43. Psalm gibt dem Sonntag seinen Namen. Dort heißt es: „Gott, schaffe mir Recht…und errette mich“. Die Passionszeit geht ihrem Höhepunkt entgegen. Im Gottesdienst verzichten wir ab diesem Sonntag auf das gesungene Ehre sei dem Vater.

Der Karfreitag, das Leiden und Sterben Jesu rücken immer näher und wir machen uns an diesem Sonntag mit Jesus auf dem Weg.

 

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. (Mt 20,28)

 

Lied: „Lasset uns mit Jesum ziehen“ (EG 384, 1+2) 

 

Wir beten mit Worten des 43. Psalms

Gott, schaffe mir Recht

und führe meine Sache wider das unheilige Volk

und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke:

Warum hast du mich verstoßen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich dränget?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

dass ich hineingehe zum Altar Gottes,

zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

 

Wir beten weiter.

 

Mit all unseren Ängsten kommen wir heute Morgen 

zu Dir, Herr unser Gott. 

Sie bringen uns ganz durcheinander, diese Ängste, 

um die Gesundheit, um die wirtschaftliche Existenz, 

um die Einsamkeit, und vieles andere mehr.

Wie gut, dass wir das heute Morgen vor Dich bringen dürfen, 

all die Beschwernisse und Hiobsbotschaften dieser Woche, 

alles, was uns verunsichert und ins Zweifeln bringt.

Du hörst unsere Gebete, du hörst unser Rufen, 

Du schweigst nicht zu unseren Ängsten.

Komme jetzt in mein Leben, tröste und stärke mich, und lass mich mit Zuversicht und Gottvertrauen nach vorne blicken. Amen.

 

Wir bringen all unsere persönlichen Anliegen vor Gott 

und beten weiter in der Stille, miteinander und füreinander.

 

Stille

 

Wirf Dein Anliegen auf den Herrn, er wird dich versorgen. Amen.

 

Sich von Gott ansprechen lassen

 

Die Lesung ist zugleich der Predigttext für den heutigen Sonntag und führt uns in den Hebräerbrief zu drei Versen aus dem 13. Kapitel, nämlich die Verse 12-14.

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Der Herr segne dieses sein Wort an uns allen. Amen.

Wir bekennen unseren Glauben mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis.

Lied: „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ (EG 76, 1+2) 

 

 

Predigt

Es ist Sonntagmorgen, 10 Uhr Gottesdienstzeit. Ich stehe in der Stadtkirche, aber Sie alle sind nicht da. Das ist sehr traurig, dass wir derzeit keine gemeinsamen Gottesdienste feiern dürfen, nicht miteinander singen, beten und auf Gottes Wort hören. Und das in einer Zeit, wo man sich so dringend braucht, über Ängste sprechen, Zuspruch bekommen, getröstet werden will.  

 

Wie lange wird das bleiben, wie lange müssen wir in diesen Zustand aushalten, wird das auch noch an Ostern so sein, dem Fest des Lebens und der Auferstehung? Unvorstellbar, aber wohl realistisch. 

Und vielleicht ist das in diesen Tagen das, was uns am allermeisten deprimiert: die Unsicherheit, wie lange das noch so bleiben wird.                   

Und von daher bekommt das Wort aus Hebräer 13 noch einmal eine ganz neue Perspektive: Wir haben hier keine bleibende Stadt, aber die zukünftige suchen wir.         

Nein, so möchten wir in unserer Stadt nicht bleiben, die Läden geschlossen, kein Restaurant offen, treffen darf man sich nicht, Gottesdienste sind nicht erlaubt, das darf doch so nicht bleiben. 

Wir suchen die andere Stadt, so wie wir unser Aalen kennen: weltoffen, lebensfroh, volle Straßencafés, eine Marktsuppe und ein Café im Gemeindehaus als Orte der Begegnung. Nach dieser uns vertrauten Stadt sehnen wir uns, dass dies einmal wieder so kommt, hoffen wir.

 

 

Natürlich wissen wir auch, dass das Bibelwort noch einmal eine ganz andere Dimension anspricht. In unserer Krise geht es ja vor allem darum, dass die Geisterstadt nicht bleibt, sondern wir unsere Stadt, so wie wir sie kennen, wieder zurückbekommen. Der Hebräerbrief dagegen spricht den Gaststatus an, den wir auf dieser Welt haben, vergänglich und nicht von Dauer. „Wir haben hier keine bleibende Stadt, aber die zukünftige suchen wir.“   

Können wir uns auf diesen Gedanken einlassen, wo wir doch in unseren Ängsten ganz stark hoffen, dass der alte Zustand bald wiederhergestellt wird? Ist das gerade unser erstes Ansinnen, die bleibende Stadt über allem Vergänglichen hinaus zu erhoffen und zu erträumen?

Wahrscheinlich eher nicht, aber es macht in dieser Passionszeit durchaus Sinn, darüber nachzudenken, wie Leiden, wie Entbehrung, wie Verzicht zum Leben dazu gehören.

 

Denn wir begleiten Jesus ja in den Tagen vor dem Karfreitag auf seinem Weg, der ihn letztlich auf den Hügel Golgatha geführt hat, wo er gekreuzigt wurde, „draußen vor dem Tor“, wie es der Hebräerbrief formuliert. 

Und daher gibt es für Jesus auch auf dieser Welt keine bleibende Stadt, nicht Bethlehem, nicht Nazareth, und auch nicht Jerusalem. Draußen vor dem Tor endet sein Leben, aber es endet auch alles, was mit Leiden, Folter, Schmerz und Tod zu tun hat. 

Und darum ist Jesus uns in unseren Ängsten auch so nah. Auch unseren Zweifeln, unserer Unsicherheit und Verzagtheit ist er nah. Er hat für uns gelitten und ist für uns gestorben, sein Blut ist für uns vergossen.

Das nimmt mir natürlich in diesen Tagen nicht die Angst, auch nicht meine Zweifel und Verzweiflung, alles, was mir so Sorge macht und mich beschwert. Das ganz sicher nicht. Aber ich weiß mich in der Hand dessen, der auf mein Leben schaut, der mir die Treue hält, und der sich auch in Corona-Zeiten nicht aus dem Staub macht.  An seiner Seite gibt’s Kräftigung und Stärkung, die Gewissheit und Zuversicht: Ich bin bei dir.  

 

Und darum möchte ich uns heute Morgen ermutigen, an diesem Gottvertrauen festzuhalten. Ich bin mir sicher, er hält mich und Sie alle, er hält die ganze Welt in seiner Hand. Auch auf unserem in diesen Tagen so beschwerlichen Weg durchs Leben ist er uns nahe.

 

Und zwei Wochen vor Ostern dürfen wir auch schon ein wenig nach vorne schauen: Der Tod war auch für Jesus nicht die bleibende Stadt, die Auferweckung ist auch Teil von Gottes Heilsweg. Auch dies macht uns nicht angstfrei und sorgenlos, aber trägt uns in der Gewissheit, dass Gottes Weg mit uns weitergeht und weit über unser jetziges Leben hinausreicht.

 

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche, mit Jesus auf dem Weg des Leidens und der Entbehrung, aber immer mit der Zuversicht, dass er an unserer Seite ist, mit uns geht, und bei uns bleibt. Amen.

 

Lied: „Meinem Gott gehört die Welt“ (EG 408, 1-6) 

 

Sich und die Welt Gott anvertrauen

Fürbitten 

Herr Jesus Christus,

wie gut, dass wir mit allem, was uns beschwert und belastet, 

zu dir kommen können.

Manchmal fühlen wir uns in diesen Tagen so wie Du auf Golgatha, 

draußen vor der dem Tor, allein mit unseren Ängsten, allein mit unseren Zweifeln, allein mit unserem Grübeln und unseren Fragen.

Danke, dass Du da bist und wir uns auf Dich verlassen können. 

Du bist der Hort, der Fels, unser Halt.

Sei mit allen, die in diesen Tagen nicht zurechtkommen.

Sei mit denen, die sich Sorgen um andere Menschen machen.

Sei mit denen, die im Gesundheitswesen alles geben.

Sei mit denen, die weitreichende politische Entscheidungen treffen müssen.

Sei mit den Kranken, den Infizierten, den Sterbenden.

Wir ruhen in Deiner Hand. Das lass uns an jedem Tag neu spüren. Amen.

 

Alle: Vater unser im Himmel...

 

Mit Gott gehen

Lied: „Komm, Herr, segne uns“ (EG 170, 2-4) 

Segen

Der Herr segnet dich und behütet dich.

Der Herr lässt sein Angesicht leuchten über dir und ist dir gnädig.

Der Herr erhebt sein Angesicht auf dich und schenkt dir Frieden.

Alle: Amen.

 

Musik zum Ausgang

 

Vielleicht haben auch andere Menschen Interesse an dem kleinen Andachtsblatt? Wir schicken es auf Wunsch gerne zu. Und wenn Sie mächten, könnten Sie es anderen in den Briefkasten werfen mit einem kleinen persönlichen Gruß.

 

Ganz herzlichen Dank an KMD Thomas Haller und unsere Techniker Sascha Bauer und Johannes Eck.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche! Ihr Pfarrer Bernhard Richter