Download
Rede zum Antikriegstag 2019 1. September 11 Uhr vor der Stadtkirche
Antikriegstag 2019.pdf
Adobe Acrobat Dokument 65.8 KB

Gedanken zum Artikel über die Religionsfreiheit

 

Artikel 4

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Religion ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Ich sage bewusst nicht privat, weil Religion immer auch mit Verantwortung zu tun hat.

Religion muss daher vermittelbar sein und also sprachfähig und unbedingt tolerant. Sie muss dem Menschen einen Mehrwert an Leben erschließen und der Gesellschaft Frieden und Stabilität.

So gesehen, verstehe ich Religion als etwas sehr Lebendiges, Dynamisches, als etwas, das den Bereich zwischen Himmel und Erde, zwischen Werden und Vergehen aufgreift und beschreibt.

Und so stellt sich Religion dann auch als wesentliche und persönliche Lebensäußerung des Menschen dar. Andere sprechen hier lieber von Spiritualität, oder Transzendenz.

Wer mit Religion daher so etwas wie einen Absolutheitsanspruch verbindet, hat sie im Kern ihres Wesens bereits verfehlt.

Ich empfinde deshalb größten Respekt und Dankbarkeit, dass die Mütter und Väter des Grundgesetzes die Religionsfreiheit im Artikel 4 des Grundgesetzes fest verankert haben.

Ich sehe darin einen Zuspruch und einen Anspruch zugleich. Der Staat billigt seinen Bürgern das Recht auf Ausübung ihrer Religion ausdrücklich zu und schützt dieses Persönlichkeitsrecht unbedingt!

Im Umkehrschluss kann das aber nur bedeuten, dass die Bürger dieses Grundrecht in der Verantwortung gegenüber dem Staat und also ihrer Mitmenschen entsprechend ausgestalten und leben - und das geht meines Erachtens nur in einer Haltung des gegenseitigen Respekts und der Achtung voreinander.

Dies alles gewinnt umso mehr an Bedeutung, um nicht zu sagen Brisanz, insofern eine Gesellschaft zunehmend multireligiös, weltanschaulich neutral oder säkular wird.

Ich denke, die große Herausforderung wird darin bestehen, diese Vielfalt im Interesse der Lebendigkeit und der Offenheit unserer Gesellschaft zu nutzen.

Wer Freiheit genießt, oder anders ausgedrückt, wem Freiheit zugebilligt wird, der hat die vornehme Pflicht dafür Verantwortung zu übernehmen.

Das gilt auch und zuerst dort, wo es um die persönliche religiöse Praxis eines Menschen geht, um die Ausübung seiner Religion und erst recht dort, wo Religion in Form von großen Organisationen in Erscheinung tritt.

Kirchen und andere religiöse Gemeinschaften stellen keinen rechtsfreien Raum dar, auch wenn der Staat in ihre inneren Angelegenheiten zunächst nicht eingreift. Sie stehen vielmehr auf der Grundlage von Recht und Gesetz, so wie der Staat und die Gesellschaft eben auch.

Staat und Gesellschaft dürfen sich freilich in religiöse Belange nicht einmischen und umgekehrt dürfen Kirchen und andere religiöse Gemeinschaften ihre Freiheit nicht missbrauchen.

In unserem Land sehen sich Kirchen und andere religiöse Gemeinschaften auf der eine Seite, sowie Staat und Gesellschaft auf der anderen in einem sehr selbstbestimmten und unabhängigen Verhältnis einander gegenüber.

Zugleich empfinden sie sich im besten Sinne dieses Wortes als solidarisch, wenn es um die Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Deutschland geht, um den Erhalt einer offenen Gesellschaft und die Bewahrung unserer Grundwerte.

Ich empfinde dafür Dankbarkeit und Demut, auch und gerade an diesem Tag und ich denke dabei an die Losung der christlichen Kirchen in diesem Jahr, ein Wort aus dem 34. Psalm. Dort heißt es: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“.

Herzlichen Dank.

Ralf Drescher, Dekan

 

2019-05-23

 

Download
Gedanken von Dekan Ralf Drescher zum Artikel über die Religionsfreiheit
Rede anlässlich 70 JAhre GG vor dem Rath
Adobe Acrobat Dokument 143.1 KB

Ein Ort zum Reden / Der Autor Viktor Staudt ist Gast im Ethik-Cafe

Die beiden Hochschulseelsorger, Tobias Obele und Bernhard Richter, sind an einem neuen Ort. Seit dem Sommersemester findet sich der Raum der ökumenisch ausgerichteten Hochschulseelsorge in der Cafeteria auf dem Campus Burren. „Wir haben für alle Studierenden, egal welcher Konfession, ein offenes Ohr“, sagen Obele und Richter.

Nicht immer läuft alles glatt in einem Studium. Viele Reize strömen auf die Studierenden ein. Die jungen Menschen müssen sich allein zurechtfinden nicht nur in einem ganz neuen Lernumfeld, sondern auch in einer anderen Stadt, mit anderen Menschen. „Manche stecken das nicht so einfach weg“, wissen der katholische Pastoralreferent Obele und der evangelische Studierendenpfarrer Richter. Die beiden Seelsorger sind präsent in den Hochschulgebäuden und kümmern sich seit vielen Jahren gemeinsam um die „weichen Faktoren“, die den jungen Männern und Frauen oft zu schaffen machen. 

Jeden Donnerstag beispielsweise gibt es ein Mittagessen im Hochschulseelsorge-Raum immer um 13.00 Uhr. Unter dem Motto „Sauerkraut und Gottvertrauen“ ist hier der Ort der Begegnung, des Gesprächs, manchmal auch des „Dampf-Ablassens“. Dies ist nur ein Angebot der Hochschulseelsorge. Daneben finden sich tolle Themen wie „App zur Mensa“, „Frühschicht“ oder der smd-Hauskreis. Regelmäßige Hochschulgottesdienste und das „Aufatmen in der Stille“, komplettieren das Programm.

Das Ethik-Café hat sich seit längerem als Veranstaltungsreihe etabliert, die über den Tellerrand hinaus den Blick über die eigene Schulter tut. „Wie können wir gut leben?“ gehört zu den Grundfragen der Ethik. Und einen prominenten Gast hat die Hochschulseelsorge jetzt für das Ethik-Café gewinnen können: Am 4. Juni um 19.00 Uhr kommt der niederländische Autor Viktor Staudt und liest aus seinem Buch „Die Geschichte meines Selbstmords“. Staudt ist Überlebender eines Bahnsuizids, hat seine Erfahrungen von Angst- und Panikzuständen und Depression bis zum Selbsttötungsversuch und seinen Weg zurück ins Leben in seinem Buch veröffentlicht. 

„Wir wissen, dass viele Studierende unter Versagensängsten oder Depressionen leiden, oft auch wegen eines Studienabbruchs“, erklären Richter und Obele. Deshalb sind die Hochschulseelsorger sehr stolz, Viktor Staudt, der mit seiner Geschichte und seinem Leben anderen viel Mut macht, ins Ethik-Café bekommen zu haben. Die Veranstaltung ist offen für alle.

 

22.05.2019/Dekanat Ostalb/Text und Bild von Sibylle Schwenk