Würdiges Gedenken an Georg Elser - Begrüßung und Einführung von Pfr. Bernhard Richter

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder, 

„Niemand kann aus der Geschichte seines Volkes aussteigen!“ Dieser Satz von Jean Amery, österreichischer Schriftsteller, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, soll über dem heutigen Tag und unserer abendlichen Zusammenkunft stehen. 

Ich begrüße Sie alle zu unser Gedenkveranstaltung, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz. Am 27. Januar 1945, also heute vor 78 Jahren, haben Einheiten der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau erreicht und die letzten verbliebenen überlebenden Gefangenen befreit. Sie haben wohl beim Betreten des Lagers nicht geahnt, was sie dort letztlich zu sehen bekommen. Über eine Million Menschen waren seit 1940 im Stammlager Auschwitz und im Außenlager Birkenau ermordet werden. Die Überlebenden, die sie vorfanden, hatten kaum Kraft, sich über die Befreiung zu freuen

Es tut weh, und es ist fast unerträglich, wenn man sich heute vor Augen hält, was damals passiert ist. Aber wenn es stimmt, was ich vor einiger Zeit gelesen habe, dass rund die Hälfte aller  deutschen Jugendlichen mit dem Begriff Auschwitz nichts mehr anfangen können, dann wird wieder einmal deutlich, wie wichtig es ist, eine gute Kultur des Erinnerns in unserem Land zu pflegen. 

Und von daher war es eine gute, eine richtige Entscheidung, dass Roman Herzog, der damalige Bundespräsident, 1996 den 27. Januar zum Nationalen Gedenktag erklärt hat. Und es war genauso wichtig, dass die UN-Generalversammlung 2005 diesen 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt hat. Wir dürfen niemals aufhören, an die Grausamkeiten des Nationalsozialismus zu erinnern. Vielleicht wird dies wichtiger denn je, angesichts von antisemitischen Übergriffen, angesichts von Hass und Häme gegen jüdisches Leben in unserem Land, angesichts von Forderungen politischer Kräfte, eine totale Wende in der Erinnerungskultur an die Zeit des Nationalsozialismus herbeizuführen. Lasst uns da wachsam bleiben und nie aufhören aufzustehen gegen solche Anfeindungen und Tendenzen. Es darf wirklich nie wieder passieren. Unser Bundespräsident Frank Walter Steinmaier mahnt zurecht immer wieder an, dass kein Schlussstrich unter dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte gezogen werden darf.

Und deshalb bin ich froh, dass wir vor Ort eine Regionalgruppe des Vereins „Gegen Vergessen - Für Demokratie“ haben, die Stolpersteine, das Bündnis gegen Rassismus, das Netzwerk Demokratie und viele andere, die für eine gute und angemessene Erinnerungskultur sorgen. Und ich danke schon jetzt Herma Geis und Rüdiger Walter, die in jedem Jahr schon sehr frühzeitig dafür sorgen, dass es am nächsten 27. Januar ein Thema und die dazu nötigen Mitwirkenden gibt.

In diesem Jahr wollen wir am heutigen Gedenktag eine Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellen, die eigentlich schon früher mehr Beachtung und Wertschätzung hätte erfahren müssen, an Georg Elser, den in Hermaringen geborenen Schreiner aus dem benachbarten Königsbronn, der am 8. November 1939 versucht hat, in das Rad der Geschichte zu greifen, um noch mehr Unheil von der Welt und den Menschen abzuwenden. Georg Elser, der ja auch für eine kurze Zeit bei der Möbelfabrik Rieder in der Gmünder Str. beschäftigt war, hätte mit seiner mutigen Tat den Krieg verhindern können, hätte. Wenn nicht… wir wissen, dass es anders ausgegangen ist und das Attentat nicht glückte, Elser verhaftet wurde und am 9. April 1945, am gleichen Tag wie Dietrich Bonhoeffer im KZ Dachau hingerichtet wurde. 

Lange Zeit war es schwierig, an Elser und sein Attentat im Münchner Bürgerbräukeller zu erinnern. Im Nachkriegsdeutschland wurde der Handwerker lange nicht als Widerstandskämpfer wahrgenommen. Lügen und Legenden haben wohl auch den Blick verstellt.

Das ist heute glücklicherweise ganz anders. Dank einer Gedenkstätte in Königsbronn, die nicht nur konzipiert, sondern auch umgesetzt und verwirklicht wurde und landesweit große Beachtung findet, dank einer Gruppe freywolf, die  die Musik in besonderer Weise als Instrument der Erinnerung erklingen lässt mit Lieder des Widerstandes, dank einer Landeszentrale für politische Bildung, die eine Wanderausstellung über Georg Elser ermöglicht hat, die wir seit 4. Januar hier im KuBAA in Aalen gut platziert hatten, und dank der Verhörprotokolle, die ein einzigartiges Zeugnis über den Handwerker aus Königsbronn abgeben. Wir erleben heute Abend eine szenische Lesung, in der Elser selbst zu Wort kommt, Anhand des Protokolls wird sein Leben von der Kindheit über den Beruf bis zu jener Zeit dargestellt, in der er den Anschlag auf Hitler vorbereitete und ausführte. Sehr präzise begründet er seine Motive. Wir können sehr gespannt sein, was wir heute Abend hören und sehen.

Dazu grüße ich ganz herzlich Josef Seibold, Klaus Peter Preußger, Engelbert Frey, Joachim Ziller, Hartmut Schmidt-Wolf und Martin Sandel, die mit einer szenischen Lesung und bewegenden Liedern aus dem Widerstand  heute Abend in unserer Stadtkirche für eine würdige Erinnerungskultur sorgen.

Vielen Dank für Ihr Wirken in der Gedenkstätte in Königsbronn und als Gruppe freywolf. In meinen Augen leisten Sie einen unschätzbar wertvollen Beitrag für eine würdige und angemessene Erinnerung, gerade auch gegenüber der Person Georg Elser

Ich freue mich, heute Abend in unserer Stadtkirche auch Ehrengäste begrüßen zu können. 

An der Spitze unseren Oberbürgermeister Frederick Brütting. Mit Ihrer Anwesenheit zeigen Sie, wie wichtig Ihnen dieses Thema ist. Seien Sie uns herzlich willkommen, wir freuen uns auf Ihr Grußwort.

Weiter begrüße ich unseren ehemaligen Landtagsvizepräsidenten Dr. Alfred Geisel, lange Jahre auch Vorsitzender der Regionalgruppe „Gegen Vergessen - Für Demokratie“. Er hat im übrigen auch vor Jahren Joachim Gauck in die Stadtkirche geholt. Herzlich willkommen heute Abend.

Ja, liebe Gäste, die Sie zu diesem Gedenken in so großer Zahl in die Stadtkirche gekommen sind:

Stehen wir auch in Zukunft in dieser Stadt zusammen, für ein Gemeinwesen, das sich seiner Geschichte stellt, das wachsam bleibt, wo Menschen angefeindet und ausgegrenzt werden, und das gerade aufgrund seiner speziellen Geschichte auch um seine besondere Verantwortung in Gegenwart und Zukunft weiß.

In Kürze muss wieder jeder Schüler und jede Schülerin wissen, was es mit Auschwitz auf sich hat.

Jean Amery hat eben recht, wenn er sagt: Niemand kann aus der Geschichte seines Volkes aussteigen. Das können, das wollen und das werden wir nicht tun!

Darum sorgen wir heute und morgen und in aller Zukunft für eine gute und würdige Erinnerungskultur in unserer Stadt!

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


Predigt zum Ostalbnarrentreffen am 15.1.23 von Pfarrer Bernhard Richter, Aalen

9.30 Uhr Stadtkirche Aalen

 

Unser Herr Jesus macht Wasser zu Wein,

es soll sein erstes Zeichen gewesen sein -

die Hochzeit zu Kana war seines Wirkens Beginn -

später kam ihm noch ganz anderes in den Sinn -

half Kranken. Holte den Zöllner vom Baum -

kam nicht zu den Frommen - sondern in seinen Raum.

Hat Menschen den Weg in die Zukunft gewiesen -

Er wurde dafür nur wenig gepriesen -

Man hat ihn verfolgt und sein Leben erschwert-

Trotzdem hat er weiter munter gelehrt

Und unverdrossen den Menschen gedient,

er hätte wahrlich mehr Dankbarkeit verdient.

Doch damals bei der Hochzeit waren alle froh -

Dass er es mit dem Wasser machte so,

dass die Hochzeit mit Wein konnte weitergehen-

und der Herr Jesu hatte ein Einsehen.

Man hat ihm etwas zugetraut-

Auch wenn dann Stimmen wurden laut-

Das soll nicht sein bestes Stück gewesen sein,

aber der Start war eben klein,

später wurde sein Wirken gewaltig und groß,

und Jesus legt mit Taten los,

 wir lesen und hören bis heute sein Wort

kommen auch gerne an diesem und anderem Ort

und beten als Christenmenschen bis heut-

und glauben an Gott mit Zuversicht und  Freud-

heute nicht getrennt, sondern ökumenisch verbunden

und konfessionelle Unterschiede sind überwunden.

Wir Christen werden so zusammenstehen.

Und Schritt für Schritt aufeinander zugehen.

Und so danken wir Gott für unser Leben

und alles was er uns tut geben.

Und uns als Kirchen zusammenschweißt,

und uns eine gute Zukunft verheißt

So sage ich es jedem, der nachher von dannen zieht,

und dem Fasching nicht entflieht,

sondern beim Ostalbumzug reiht sich ein,

es darf eine fröhliche Narrenschar sein.

Denn Jesus hat nicht nur Wasser zu Wein gemacht,

er gibt uns Kraft und Hoffnung, dass jeder mal lacht,

und mit Späßen und Konfetti und Kostüme nicht spart,

auch wenn es ihm nicht jeden Tag nach Fasching wart.

Gott wird uns beistehen, er gibt uns die Kraft,

die auch im Schweren das Leben schafft,

denn Lasten haben wir genug zu tragen,

manchmal zu viel wir könnten nur klagen-

über eigenes aber auch fremdes Leid,

das uns beschwert, gestern und heut

denn während wir fröhlich und ausgelassen sind-

zittern sie woanders- ob Erwachsener oder Kind.

Der Friede liegt vor uns in Scherben.

Unfassbar. In Europa sterben

Menschen wieder in einem Krieg.

Der Mann im Kreml setzt auf Sieg

durch militärische Gewalt,

mir wird’s da innendrin eiskalt,

Brutal wird da ein ganzes Land 

Mit Krieg und Waffen überrannt.

Bomben und Angst und Flucht und Not

Demütigung und gar der Tod.

Sirenen und schlaflose Nächte

Familien fliehen in U-Bahn-Schächte.

Die Kinderseelen werden jetzt

Zu hunderttausenden verletzt

In rohen, gnadenlosen Tagen

Werden Wunden so tief geschlagen -

Ein Jahr bald geht in der Ukraine der Krieg -

Es geht nicht nur um Niederlage oder Sieg,

es geht um ein Verbrechen an Mensch und Natur-

davon wird bleiben noch lang eine Spur.

Wie soll es jemals Heilung geben?

Versöhnung oder gar unbeschwertes Leben?

Frieden, der Wiederaufbau möglich macht -

Und nicht nur das Kinderherz mal wieder lacht -

Und Zukunft hat das ganze Land-

Dafür gibt’s gegenwärtig keinen Garant.

 

Es braucht da dringend eine Kraft,

die irgendwie Versöhnung schafft, 

dem Unheil in die Speichen fällt,

und die Ukraine und alle Welt

bewahrt - sonst kommt durch diesen Krieg

die zynische Gewalt zum Sieg.

Und so lasst uns weiter um Lösungen ringen

Die einen Stimmen nach besseren Panzer klingen

Die anderen mit Vorsicht wollen keine Eskalation,

egal wie. Grad herrscht nur Frustration.

Der richtige Weg, das ist so schwer,

und die, die stets fordern und kritisieren mehr,

sollten sich ein wenig Demut bewahren

und mit stets neuer Kritik etwas sparen.

Das gilt für den Krieg in der Ukraine dort

Das gilt aber auch für die Probleme vor Ort:

Ob Steg, ob Klinik oder Union-Areal,

letztlich ist es nicht egal,

ob wir gemeinsam nach guten Lösungen ringen,

oder andere in Misskredit bringen

Denn vieles auch hier bei uns macht Angst und bang,

vielleicht sogar ein Leben  lang.

Da stellt sich die Frage: hilft der Glaube schon?

Ist er mehr als nur eine Illusion?

Darum muss muss ich uns heute schon mal fragen,

lassen wir uns heute noch von Gott etwas sagen?

Ist uns sein Wort noch etwas wert?

Oder haben wir ihn schon vertrieben von der Erd?

Gerade in dieser unsicheren Zeit,

bräuchten wir wieder mehr gottesfürchtige Leit.

Menschen, die sich haben zu Gott bekehrt.

Und erfolgreich gegen Gewalt und Bosheit gewehrt.

Und die sich mit ihrem Glauben nicht verstecken,

die vielleicht manches Mal auch anecken,

die ihren Mund machen auf und schweigen nicht,

und sehen die im Dunkeln, und nicht nur die im Licht.

Und packen an, helfen mit und sind dabei,

Menschen, denen es ist nicht einerlei,

wenn andere leiden und zugrunde gehn,

sondern in jedem ein Geschöpf Gottes sehn,

das Trost braucht,  und spüren muss, dass Gott zu ihm steht,

eine Perspektive bekommt,  wie es für ihn oder sie weitergeht. 

Deshalb ihr Narren, seid auch Christenleut,

habt heute und  künftig Eure Freud.

Legt die Finger in die Wunde,

da habt ihr viele in Eurem Bunde.

Vergesst aber nie, auch nicht in der Faschingszeit,

dass wir als Christen sind stets bereit,

auf Gottes Wort zu hören, und dem Herrn zu dienen,

und nicht nur äußerlich versuchen zu mimen,

sondern auch innerlich eine Geisteshaltung zeigen,

die Kante zeigt gegenüber den Feigen,

und Werte nicht unter den Boden kehrt,

sondern die Ungläubigen eines Besseren belehrt.

Denn die Herren dieser Welt vergehn.

Doch auf dem Thron- da wird man sehn.

Nur Gott allein, der diese Welt,

noch immer in seinen Händen hält.

Noch gibt es Krieg und Streit und Mord,

doch einst spricht Gott das letzte Wort-

dann hält sogar der Narr die Klappe

und lüftet demütig seine Kappe.

Der Glaube schenkt uns diesen Blick

Nach vor und gibt uns Trost zurück.

Wie mächtig einer ist und reich

vor Gott sind alle Menschen gleich.

Auf Gott zu vertrauen bei  allem Spass bedenkt,

denn er ist es, der Euer Leben lenkt.

Der Wasser zu Wein macht,  der tut auch andere Zeichen

Und wird damit auch Euer Leben erreichen.

Er wird bei Euch bleiben an jedem Tag -

Egal was ist und was kommen mag.

Gebt ihm die Ehre und lobt seinen Namen.

Ich sage: Meck, meck ahoi und Amen



Jahresrückblick 2022 von Bernhard Richter

Bild: Christian Schmitt (Layout), Michael Wittenbruch (Foto) In: Pfarrbriefservice.de
Bild: Christian Schmitt (Layout), Michael Wittenbruch (Foto) In: Pfarrbriefservice.de

EG 574 Nichts soll dich ängsten - Nada te turbe

Ein Jahr geht zu Ende. Und wir blicken zurück auf alles, was sich in diesem Jahr so ereignet hat, und da ist die Welt im Großen - und unsere Welt im Kleinen., unsere eigenen Sorgen, Probleme, die uns auch am Silvesterabend nicht loslassen und die wir wohl auch ins neue Jahr mitnehmen werden.

Die Welt im Großen, da macht uns natürlich vor allem der Krieg in der Ukraine große Sorgen. Es ist ein Verbrechen an den Menschen dort im Land, das Putin angezettelt hat. Und uns ganz schnell mitheineingezogen: Inflation, Energiekrise, und Corona war ja auch noch in diesem Jahr. Und die Queen ist gestorben, und die Situation in Iran und in Afghanistan muss einem auch Sorgen machen.

Und an der Schwelle zu einem neuen fragen wir uns: wie kommen wir durch den Winter, reicht das Gas, reicht unser Geld usw. Manchmal wird’s einem beim Blick in die Zukunft angst und bange. Trotzdem wollen wir nicht nur ängstlich und verzagt ins neue Jahr gehen, sondern in aller Unsicherheit und Unwägbarkeit einstimmen in den Ruf: nichts soll dich ängsten.

EG 574 Nichts soll dich ängsten - Nada te turbe

Wir blicken an diesem Abend aber auch zurück auf das Leben in unserer Kirchengemeinde.

Viele kleine und große Ereignisse haben stattgefunden. Nach Corona konnten endlich wieder die Gemeindehäuser geöffnet werden und bleiben, die Marktsuppe am Mittwoch, das Café im Foyer am Samstag, der Seniorennachmittag jeden Dienstag, alle Gruppen und Kreise ohne Impfnachweis und Kontaktermittlung. Dazu am Samstag vor Palmsonntag die Öffnung der Johanneskirche mit einem neuen Parament durch Mutter und Tochter Gärtner. Die Marktmusik gibt es mit Liturgie jeden Samstag

Am Ende des Jahres sind noch drei große Persönlichkeiten der Kirchengemeinde vergangener Jahre verstorben,  Dekan i.R. Christoph Hahn, er war zweiter Pfarrer an der Stadtkirche und ab 1978 Dekan des Kirchenbezirkes und hat das kirchliche Leben von Stadt und Region nachhaltig geprägt.

Unser langjähriger Hausmeister Hans-Peter Köppel, er war von 1980 bis 2013, 33 Jahre zusammen mit seiner Frau Erika Hausmeister im alten Gemeindehaus am Torplatz

Und kurz vor Weihnachten, ist dann noch unsere langjährige Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Rosemarie Löwisch, verstorben, an ganz vielen Stellen der Kirchengemeinde engagiert, Gründungsmitglied der FBS, jahrelang Säuglingspflegekurse durchgeführt, und von der Kinderkirche bis zu den Senioren engagiert und interessiert.

Trotz dieser Verluste prägender Persönlichkeiten stimmt mich sehr dankbar, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ganz vielen Stellen haupt- neben und ehrenamtlich in unserer Kirchengemeinde ihren Dienst tun. Da braucht einem auch für die Zukunft der Kirche nicht bange sein und wir können getrost einstimmen in den Ruf: nichts soll dich ängsten

EG 574 Nichts soll dich ängsten - Nada te turbe

Zum Jahresrückblick gehören natürlich in unseren Gemeinden immer auch die Zahlen der Statistik: Es wurden in Aalen im Jahre 2022 42 Kinder getauft (Vorjahr 41)  30 (28) Jugendliche konfirmiert  8 (3) Paare getraut und 84 (99) Gemeindeglieder beerdigt. Und - jetzt kommt die Zahl vor der ich mich am meisten fürchte - wir haben in diese Jahr 134 Austritte aus der Evang. Kirche zu verzeichnen, 41 mehr als vergangenes Jahr. Dagegen stehen nur 3 Eintritte, 7 im vergangenen Jahr.

Jetzt bin ich ganz gewiss kein Pessimist aber ich kann 1+1 zusammenzählen, und wenn ich Beerdigungen und Austritte zusammen zähle 220 und Taufen und Eintritte 44dann fehlen uns in der Differenz 180(letztes Jahr 120) Gemeindeglieder. Ich mag gar nicht daran denken, was das in zehn und zwanzig Jahren bedeuten könnte, wenn in jedem Jahr die Differenz um 15 steigt, und wir dann 130 und 150 und noch mehr Gemeindeglieder im Jahr verlieren.

Ich weiß, so kann man nicht rechnen. Aber ich denke:

Nicht nur die Silvesterkracher, auch die Austrittszahlen müssen uns Christen am  Altjahresabend erschrecken und wachrütteln.

Und wir werden uns auch im neuen Jahr noch anstrengen müssen, dass wir eine einladende Kirche bleiben, dass es gelingt, den Menschen deutlich zu machen, dass das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus, und alles, was mit Gott, Glaube und Kirche zusammenhängt, auch ihnen gilt, auch für sie wichtig sein könnte und ihrem Leben einen Sinn und Halt gibt.

Ich möchte daher Gegenwart und Zukunft von Gemeinde und Kirche in Gottes Hand legen und darauf vertrauen, dass auch im neuen Jahr gilt: nicht soll dich ängsten.

EG 574 Nichts soll dich ängsten - Nada te turbe

Am Schluss dieses kurzen Rückblickes möchte ich nicht versäumen, allen zu danken, die uns, unsere Anliegen und die Kirchengemeinde unterstützen, durch ihre Mitarbeit, aber auch durch ihre Mitgliedschaft. Ich möchte nicht nur von Austritten reden, sondern auch denen danken, die der Kirche die Treue gehalten haben, durch Kirchensteuer, durch Opfer und Spenden und auch durch ihr Gebet die Arbeit mit tragen. Wir werden auch im neuen Jahr verantwortungsvoll mit dem Geld unserer Gemeindeglieder umgehen und neben eigenen Aufgaben auch die Not und Armut von Menschen vor Ort und in der Welt unterstützen. Gott segne Geber und Gaben!

Und so möchte ich insgesamt den Rückblick in ein altes und den Ausblick in ein neues Jahr mit großer Gelassenheit und uneingeschränkter Zuversicht begehen und hoffnungsvoll einstimmen in den Ruf: nichts soll dich ängsten. 

EG 574 Nichts soll dich ängsten - Nada te turbe