Predigt am Heiligen Abend 2020 auf dem Dach des Gemeindehauses

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Besonders beliebt war sie noch nie die Rolle des Wirtes in den unzähligen Krippenspielen dieser Welt. Auch Peter wollte eigentlich lieber den Verkündigungsengel spielen. Aber diese Rolle war schon vergeben. Er sollte dagegen den hartherzigen, den abweisenden Wirt spielen. Nichts anderes blieb ihm übrig, aber er tat es nur mit wenig Leidenschaft. Bei den Proben ging es noch einigermaßen, doch dann kam die Aufführung am Heiligen Abend. Maria und Josef sind in Bethlehem und  klopfen an seine Tür; „Bitte, lieber Wirt, meine Frau bekommt ein Kind, wir kommen von weit her, können wir nicht bei dir übernachten?“ Peter steht in der geöffneten Tür und soll antworten. Geübt wurde es unzählige Male. 

Aber die Situation in der Aufführung war so herzzerreißend, dass Peter als Wirt keinen Ton herausbrachte. Alle hielten den Atem an. Die Souffleuse ruft es ihm mehrfach zu. „Nein, schert Euch fort“. Irgendwann bringt es Peter doch noch heraus: „Nein, schert Euch fort. Mein Haus ist voll. Ich habe keinen Platz mehr für Euch“ Er sagte es wenig überzeugend, aber alle atmeten erleichtert auf. Denn nun konnte das Spiel fortgesetzt werden und seinen gewohnten Lauf nehmen. Maria und Josef zogen weiter.

Doch Peter bleibt an der Schwelle stehen und sieht den beiden nach. Die Tränen treten ihm in die Augen. Und jetzt bekommt das traditionelle Krippenspiel seine Wendung. Peter geht den beiden nach: „Bleib hier, Josef,“ rief er, „bring Maria wieder zurück. Ihr könnt mein Zimmer haben.“ Und die Tränen wichen und sein Gesicht verzog sich zu einem breiten Lachen.

Kaum ein Krippenspiel ohne den Wirt, der seinen Kopf aus der Tür streckt und Maria und Josef abweist. Kaum ein Krippenspiel ohne den, der wegen der Volkszählung gestresst wirkt und dessen Hartherzigkeit fast nicht zu ertragen ist. Dabei findet in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas nirgendwo ein solcher Wirt Erwähnung! In der Bibel heißt es: denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Vom Wirt keine Spur.

Wieso ist er dann für uns so wichtig, dass wir ihn erfinden müssen und ihm einen festen Platz im Krippenspiel reservieren? 

Zu Weihnachten erzählen wir uns gern Geschichten von herzzerreißender Not, die am Ende jedoch meist gut ausgehen. Nur im wirklichen Leben, das wissen wir ganz genau, sieht es oft völlig anders aus. Das wissen wir von vielen Menschen oder haben es gar schon selbst erlebt. Draußen vor der Türe stehen, betteln müssen, auf Wohlwollen und Beistand angewiesen sein, das kann hart sein, das macht niemand gern.

Wenn Maria und Josef heute bei uns anklopfen, dann kommen sie aus Syrien, dem Irak, aus Nigeria, aus Afghanistan, oder aus einem anderen Land, in dem es einfach  nicht mehr auszuhalten ist.

Ein Dach über dem Kopf brauchen sie. Und mehr noch brauchen sie Freundlichkeit, ein nettes Wort, konkrete Hilfe, Schutz vor Anfeindungen und übler Nachrede, eine Willkommenskultur, die diesen Namen wirklich verdient.

Josef und Maria könnten heute aber auch Menschen sein, die das Dach über dem Kopf verloren haben, ihre Miete nicht mehr zahlen können, die auf der Straße leben, betteln müssen, überschuldet sind, ein Suchtproblem haben, ihren Arbeitsplatz verloren haben, von der Grundsicherung leben müssen, auf einen Tafelladengutschein hoffen, ganz einfach bedürftig sind, eine Perspektive brauchen für die Zukunft und ihr Leben insgesamt.

                                                                                                                                                                                                                                         Maria und Josef waren damals in Bethlehem fremd. Sie sind arm dran. Sie haben nichts vorzuweisen, sie haben nichts zu sagen. Sie haben nur sich selbst: Und sie haben Gott. Aber das reicht. Das reicht tatsächlich. Es reicht, um im Herzen des Wirtes etwas anzurühren, soviel, dass er die beiden hineinlässt und wenigstens seinen Stall zur Verfügung stellt. 

Und es reicht, um einen Peter anzurühren und zu ungeahnten Schritten zu bewegen. 

Und so könnte sich bereits an Weihnachten entscheiden, ob im neuen Jahr Hartherzigkeit, Abweisung und gesellschaftliche Kälte die Oberhand gewinnt oder ob Mitmenschlichkeit, Solidarität und Nächstenliebe sich durchsetzen und nicht nur abgedroschene Phrasen und leere Worthülsen bleiben. Das Superwahljahr und die nicht enden wollende Pandemie stimmen einen da ja nicht besonders hoffnungsvoll. Mal sehen, ob wir uns bei der gerechten Verteilung des Impfstoffes noch daran erinnern, was Solidarität heißt: selber zurückstehen und andere mit größerem Risiko vorlassen.

 

Vielleicht wird es dann doch im Besonderen auf uns Christenmenschen ankommen, auf die, die wissen, warum Gott Mensch wurde und was bis heute an Weihnachten wichtig ist, denen auch bewusst ist, wie das Kind in der Krippe als Gottessohn Solidarität praktiziert und mit Leben gefüllt hat, die aber auch etwas davon erahnen, wie zerbrechlich Solidarität sein kann: von wegen herzliebstes Jesuslein.., zuerst rufen sie „Hosianna“ und nicht viel später „Kreuzige ihn“.

Peter hat ein Krippenspiel auf den Kopf gestellt und ihm eine neue Wendung, eine andere Deutung gegeben. Vielleicht hat er etwas geahnt von dem, was Weihnachten bis heute für uns alle sein will: ein Stück Menschlichkeit gegen alle Hartherzigkeit, ein Stück Miteinander und Wärme gegen alle gesellschaftliche Kälte dieser Tage, ein Stück Liebe gegen alle Lieblosigkeit menschlichen Umgangs.

Für die Dramaturgie eines Krippenspiels brauchts nach wie vor einen abweisenden Wirt, für das richtige Verständnis von Weihnachten und Gottes Kommen in die Welt brauchts dagegen etwas ganz anderes: es braucht viele, die so denken und handeln wie Peter, der mit seiner Reaktion begriffen hat, auf was es im Wesentlichen ankommt, auf was es auch Gott ankommt, wenn er in Jesus in das Geschehen dieser Welt eingreift: auf Menschlichkeit, auf Solidarität, auf Mithilfe, und Barmherzigkeit. Hoffentlich auch noch nach den Feiertagen und im neuen Jahr. 

Manche Gottesdienstbesucher meinten damals, Peter hätte mit seinem Verhalten das ganze Krippenspiel verdorben. Aber die meisten, die an diesem Abend in der Kirche waren und zugeschaut hatten, waren sich einig, dass dies das beste Krippenspiel war, das sie je gesehen hatten. 

 

Amen

 


Pressemitteilung Aalener Friedensbündnis - Engagement für den Frieden geht weiter

 

Aalener Friedensdekade findet statt - Änderungen wegen Corona Auflagen

 

Aalen. Endlich ist nach langen Jahren wieder eine Friedensdekade in Aalen geplant. Das Aalener Bündnis für den Frieden veranstaltet eine Mahnwache zur Progromnacht, Friedensgebete und eine Ausstellung zu „Wirksam ohne Waffen“. Coronabedingt müssen die geplanten Filme zum globalen Filmherbst leider ausfallen und eine Infoveranstaltung wird online nachgeholt.

 

Erstmals nach vielen Jahren Pause sind in diesem Jahr im Rahmen der ökumenischen Friedensdekade wieder verschiedene Aktionen geplant. Das Aalener Friedensbündnis umfasst 25 verschiedene Initiativen in Aalen, von verschiedenen kirchlichen Trägern, über Gewerkschaften, politischen Parteien und verschiedenen Bildungsträger und migrantischen Organisationen. Die bundesweite Friedensdekade wird von einem ökumenischen Trägerverbund getragen und steht dieses Jahr unter dem Motte „Umkehr zum Frieden“.

 

Gestartete wäre die Friedensdekade am 2. November mit einem Film zu Kolumbien und dem Friedensprozess in dem Land und Mitte November mit einem Film zur Rüstungsproduktion in Oberndorf. Beide Filme wären im Rahmen des Globalen Filmherbstes zusammen mit den Filmemachern gezeigt wurden, doch die Filme mussten leider aufgrund der Schließung von Kinos abgesagt werden. Es wird derzeit ein Online-Format ausgearbeitet, so dass die Filme später noch gezeigt werden können mit der Gesprächsmöglichkeit mit den Produzenten.

 

 

Ebenfalls wird die geplante Mahnwache an den Stolpersteinen (Ecke Beinstr. / Bahnhofstr.) am 9. November um 17 Uhr stattfinden, wenn auch in kleinerem Kreis. Anschließend gibt es eine kurze Begehung einiger Stolpersteine und Informationen zur damaligen Judenverfolgung in Aalen. Ebenfalls stattfinden können die geplanten Gottesdienste, und zwar zum Motto der Dekade: Umkehr zum Frieden am 8. Nov. um 10 Uhr, und am Buß- und Bettag am 18.11. um 10 Uhr in der Stadtkirche mit Pfarrer Bernhard Richter.. Ebenso das Friedensgebet am 16. November um 18.10 Uhr vor dem Turm der Stadtkirche, ebenfalls mit Pfarrer Bernhard Richter

 

Die für den 16. November geplante Veranstaltung mit zwei sudanesischen Frauen zur „Gewaltfreie Revolution im Sudan“ wird voraussichtlich im Dezember nachgeholt, mit einer Online-Zuschaltung der Referenten und einer Präsenzveranstaltung im Um-Welthaus. Genaueres wird vorher bekannt gegeben.

 

 

Das Engagement für den Frieden kann nicht in den „Lock-down“ gehen, so Jürgen Menzel und Pfarrer Bernhard Richter, die beiden Initiatoren der Aalener Friedensdekade. Im Gegenteil hat die Corona- Pandemie in vielen Regionen der Welt die Konflikte verschärft, weil viele Regime nun ihre Restriktionen gegen Menschenrechte und Minderheiten mit Corona – Maßnahmen legitimieren. Auch das Recht auf Freie Meinungsäußerung oder Demonstrationen kann nicht außer Kraft gesetzt werden und durchaus unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen weiter in Anspruch genommen werden. Deshalb ist es dem Aalener Friedensbündnis wichtig, die Friedensdekade nicht komplett abzusagen.